Patrick – Die hellen Tage … !!!

Lissabon

306. Reisetag

11.457 Kilometer Rad

Zur Feier des Tages hatte ich mich in schwarz, rot und gold gekleidet, was mir aber erst beim Fotografieren am Grenzübergang nach Frankreich aufgefallen, wirklich nicht geplant war und mich selber sehr zum Lachen gebracht hatte. (-: Ich hatte Italien mit 1.999 Kilometern und stolzen 19.179 Höhenmetern hinter mir gelassen und fuhr nach Frankreich, entlang an der Cota d´Azur Richtung Monaco, immer dicht an der „Azurblauen Küste“. Schon auf den letzten Kilometern in Italien und auch in Frankreich fuhr ich teilweise auf sehr schön ausgebauten Radwegen mit Mittelstreifen und eigener Ampel. Es war ein schönes Fahren. Oft hielt ich an, um kleine Pausen einzulegen oder etwas zu essen und zu trinken oder einfach nur um die frische Luft und das Rauschen des Meeres zu genießen…

Monaco ist nicht weit von der italienischen Grenze entfernt. Ich fuhr mit meinem Fahrrad eine steile Straße den Berg hinab, den ich zuvor erklommen hatte und kam nach Monte Carlo. Wo sonst die Formel1-Boliden mit ca. 350 km/h entlangbrettern, radelte ich ganz gemütlich mit angenehmen 15 km/h die Piste entlang. Ich ließ in aller Ruhe die Stadt und die Straßen auf mich wirken und stellte mir vor, was das für ein tolles Erlebnis sein muss, wenn hier am 23.05.-26.05.13 Vettel, Fernando Alonso und Konsorten über den Asphalt schießen. Ich fühlte mich wie ein „Großer“ als es mit 18 km/h ab in den Tunnel ging. Monaco´s Untergrund ist wie ein Schweizer Käse – alles ist durchlöchert. Ich dachte immer, dass man sich in einem Tunnel nicht verfahren kann, aber ich wurde eines Besseren belehrt. Hier sind ein Teil der Straßen, ja sogar ganze Kreisverkehre unter der Stadt integriert. Weiter mit 17 km/h leicht bergauf (-; ging es aus der Linkskurve raus, so dass ich auf der Graden auf 21 km/h beschleunigen konnte. Nach einem kurzen Blick bekam ich das Zeichen, dass ich in die Boxengasse muss/möchte…. Nein … kein Platten und die Reifen sind auch die richtigen für das bewölkte, aber trockene Wetter. Aber von dort hatte ich einen superguten Blick auf den Hafen von Monaco, den ich vorher nur vom „durchzappen“ im Fernsehen und der Formel1 kannte. Schnell war ein Foto gemacht und es ging zurück auf die Rennstrecke. Wieder Linkskurve und dann Rechtskurve und ich raste mit einem leisen Summen meiner Reifen, mit 25 km/h über die Ziellinie im Hafen von Monaco… Grandios!!! Es war ein tolles Rennen (-;, das mir sicher in guter Erinnerung bleiben wird, so wie der Staat Monaco mit seiner Formel1- Rennstrecke. Und zukünftig werde ich bestimmt nicht mehr weiterschalten, wenn es heißt: „Formel1 in Monaco“! … zurück ins Studio … und ich weiter nach Nizza… (-:

Bei schönem Wetter ging es entlang der azurblauen Küste bis nach Nizza. Ich freute mich, endlich einmal dort zu sein, auch wenn ich nur kurz Rast machte und mir das Strandleben und die Promenade anschaute. In der Grundschule in Kolkwitz bei meiner Erdkundelehrerin Frau Walter hatte ich zwecks Zensurenverbesserung mal einen Vortrag über Nizza und die Cota d´ Azur gehalten. Was auch prima geklappt hat. Theoretisch kannte ich mich also ganz gut aus, sonst hätte ich mich wahrscheinlich hier an der Küste öfter verfahren *grins*. Es war deutlich zu merken, dass noch Nebensaison war, die Bagger präparierten die Strände und die meisten Lokale waren noch nicht offen, sondern bekamen einen neuen Anstrich. Ansonsten ist Nizza von der Meerseite her sehr schön und lud zum Verweilen ein, aber die Zeit nahm ich mir nicht … Ich wollte weiter Richtung Cannes, Saint Maxime (in der Nähe von Saint-Tropez) über Hyères, Toulon nach Marseille.

Dieses Mal hatte ich kein Hostel für meine drei Ruhetage vorgebucht, sondern nur rausgesucht, weil ja eeh noch keine Saison ist und die anderen festen Unterkünfte auch nie voll ausgebucht waren.

Wird schon … (-: Wird nichts )-:

Angekommen in Marseille fuhr ich mein rausgesuchtes Hostel an, um zu erfahren, dass es belegt war. Sie schickten mich zu einem anderen, zwei Straßen weiter befindlichen Hostel und meinten, es könne sein, dass morgen etwas frei würde. Also bin ich am Abend um 21.30 Uhr zu dem anderen Hostel gefahren. Zum Glück hat der Regen aufgehört, denn ich hatte schon so ziemlich die Nase voll. Aber auch dieses Hostel war vollständig gefüllt, doch sie machten mir Mut, in dem sie mir schilderten, dass es zurzeit echt schlecht sei mit Schlafplätzen in Hostels in Marseille!!! Ich sollte doch mal in einem Hotel nachfragen, die haben bestimmt noch ein Zimmer. Gesagt, getan, fragte ich nach! Als sie mir im Hotel irgendetwas für 60,-€ ohne Frühstück erzählt hatten, verließ mich der Mut für heute und ich habe mich auf den Weg zum Hafen gemacht. Meine arg geschundene Reisekasse hätte diesen „Spaß“ nicht mitgemacht!!! Um 22.30 Uhr fand ich eine kleine Stelle zwischen Containern und Baumaterialien, weit weg von den ansässigen Obdachlosen am Hafen von Marseille, wo ich mein kleines grünes Zelt aufbaute, um dort die Nacht zu verbringen. Es nützte ja alles nichts!

Am Morgen weckten mich um 5 Uhr die Hafenarbeiter. Sie rangierten zwischen Containern und Autos und machten Lärm. Bei quietschendem Zuglärm, denn hinter dem Zaun führte die Zugstrecke entlang, packte ich meine sieben Sachen und schleppte mich, mein kleines grünes Zelt und das Fahrrad um 8 Uhr wieder zu dem ersten Hostel. Es könnte ja heute etwas frei sein! Könnte!!! War aber nicht! Ich hatte mich schon eine weitere Nacht am Hafen neben der Zugstrecke, zwischen Baumaterialien und Containern liegen sehen, wo die Hafenarbeiter um 5 Uhr, Autos und Container rangierten. Die Dame an der Rezeption gab mir aber netter Weise noch eine andere Adresse vom Hello-Marseille- Hostel, keine 5 min weit weg. Und siehe da! Sie hatten wenigstens erst einmal für eine Nacht ein Bett in einem Zimmer für mich, die anderen Nächte waren leider auch schon voll. Mit den Angestellten hatte ich mich sofort gut verstanden. Sie waren alle sehr nett und hilfsbereit. Ich fragte bei ihnen an, ob sie für die übrigen Nächte nicht eine Unterkunft für mich wüssten, auch wenn es voll sei, ich würde auch auf dem Boden schlafen. „Ich bin doch ein einsamer Radfahrer, habe nicht viel Geld und könne mir kein teures Hotel leisten…“. Nach ein paar Telefonaten boten sie mir den Gemeinschaftraum zum Schlafen an … juhu (-: Unterkunft gesichert!

Am Morgen lud mich Florence, eine Mitarbeiterin des Hostels, zu einer „Promotion-Segel-Regatta“ ein, um einer Landratte wie mir das Segeln und die Regeln einer Regatta näher zu bringen und das sogar kostenlos. Wir hatten uns gegen 12 Uhr am Hafen verabredet, den ich ja bereits von der einprägenden Nacht kannte. Sogleich ging es aufs Boot. Wir schipperten ganz langsam bei einer leichten Brise und kleinen Wellen raus aus dem Hafen. Zu meinem Bedauern waren die Wellen später dann nicht mehr so klein und das Boot schüttelte uns von links nach rechts, hoch und runter durch die Wellen. Die Regatta an sich war sehr interessant, auch wenn ich sie aufgrund des Wellenganges nicht ganz genießen konnte… Fazit der Bootsfahrt nach ganzen zwei Stunden: Es war trotz einer 15minütigen Pause auf der Toilette, wo ich froh war, dass ich früh nicht so viel gegessen hatte, eine sehr tolle Erfahrung. Live dabei sein ist eben besser! Ich habe aber auch für mich beschlossen, dass ich kein Seefahrer werde! So richtiger Wellengang ist eben nicht so mein Ding! (-; Ich war Florence aber trotzdem sehr dankbar, dass sie mich mitgenommen hatte. Danke liebe Florence und Schiff ahoi!

Am Nächsten Tag unternahmen wir beide eine ausgedehnte Wanderung durch den Nationalpark „Calanque de Morgiou“, der gleich in der Nähe bei Luminy beginnt. Das hat echt Spaß gemacht und war mal eine gelungene Abwechslung zum Fahrrad-Alltag. Die Steilküste mit ihren hohen Felsen und kleinen Buchten war wie geschaffen dafür. Überall wächst Rosmarin am Wegesrand, was mich an Rosmarinkartoffeln erinnerte, die ich Zuhause mal gekocht hatte. (-: Nach 4 Stunden Wandern ging es zurück ins traute Heim. Das Hostel hatte einen eigenen Charme und ich habe mich wohl und wie Zuhause gefühlt, ähnlich wie in dem „Mir Hostel“ in Sankt Petersburg. Da das nicht immer der Fall war, wird es für mich eine schöne Erinnerung bleiben. (-:

Die Umstellung auf die Sommerzeit 2013 war am 31. März 2013. Die Tage sind jetzt wieder länger hell am Abend. Ich habe mehr Zeit fürs Radfahren und das Suchen einer geeigneten Schlafplatzstelle. Meistens werde ich von der Sonne gegen 8 Uhr geweckt und fahre dann meine 6-7 Stunden Rad. Durch die hellen Tage habe ich an den Nachmittagen genügend Zeit, um mich mit einem Buch abzulenken, den nächsten Tag zu planen oder einfach auch mal nichts zu tun. Zurzeit lese ich ein Buch von Zsuzsa Bánk: „Die hellen Tage“ - ein sehr unterhaltsame Buch. (-;

Soviel aus Frankreich … Bis demnächst aus Spanien … und einer riesigen Kissenschlacht …

Liebe Grüße Patrick

 

 

 

Kommentare   

 
+3 #2 Lutz und Rita 2013-05-12 16:04
Hallo kleener, auch wir wünschen dir weiterhin eine gute Reise und sollen dich von ganz vielen Bekannten und Verwandten herzlich grüßen. Wir freuen uns schon auf den nächsten Bericht und die tollen Fotos..... Bis bald mal..... Lutz und Rita
Zitieren
 
 
+6 #1 Katrin 2013-05-03 09:28
toller Bericht und echt tolle Bilder. Vorallem gefallen mir die Fotos mit dem Blick auf die nächtlich beleuchtete Stadt und die Naturbilder.
Wenn ich das Radfahren mal ausblende, packt mich bei dem Anblick auch fast wieder die Reiselust.
Pass weiterhin gut auf Dich auf und genieße die Freiheit!
Zitieren