Patrick – der Reiseonkel und der weiße Rauch über Rom

Marseille

275. Reisetag

9.678 Kilometer Rad

 

Auf geht es von Neapel Richtung Rom. Ich hatte mir drei Tage für die ca. 250 Kilometer vorgenommen. Da ich aber wie jetzt schon öfter das Glück hatte, am letzten oder vorletzten Tag vor meiner Ruhepause einen Regentag zu erwischen, radelte ich auf Grund nasser Sachen, etwas Rückenwind und Kälte die Strecke in 1 ½ Tagen. In Rom angekommen, konnte ich auch einen Tag eher in das zentral gelegene Hostel einchecken. (-; … Nach einer heißen Dusche begann die Eroberung Roms …

 

Rom mit rund 3,3 Mio. Einwohnern ist die größte Stadt Italiens. Die Sehenswürdigkeiten wie z.B. die Spanische Treppe, das Colloseum, der Trevi Brunnen und den für mich tollen Park Villa Borgese, sind alle sehr zentral und gut zu Fuß zu erreichen. Ich bin meistens einfach ohne große Pläne in die Stadt gegangen und habe immer wieder neue, schöne und interessante Sachen entdeckt.

Innerhalb der Stadt bildet der unabhängige Staat der Vatikanstadt eine Enklave - übrigens Land Nummer 16 auf der Reise! Der Vatikan ist der Sitz des Bischofs von Rom und somit des Papstes, des Oberhauptes der römisch-katholischen Kirche, der aber am 12.02.2013 sein Amt niederlegte. Mein Opa Hermann nannte den Papst immer „Reiseonkel“, weil er viel in der Welt unterwegs war. Sonderlich beeindruckt war mein Opa zu seiner Zeit von ihm nicht. Heute bin ich wahrscheinlich für die Kinder meines Bruders der Reiseonkel und mit dem Papst hatte ich bisher auch nicht viel am Hut/Helm. Das sollte nicht lange so bleiben, aber mehr dazu später.

Nach meiner ersten Rom-Erkundungs-Tour bin ich in der schönen Villa Borghese angelangt. Die ausgedehnten Parkanlagen mit ca. 5 km² Fläche bieten viel Platz zum Entspannen und Relaxen, was ich nach der Runde durch Rom dringendst brauchte. Und als ich so durch den Park schlenderte und die Eindrücke des Tages Revue passieren ließ, kam ich mitten im Park an einem kleinen Kino vorbei. "Cinema dei Piccoli" las ich und schaute mir den Spielplan an. Sogleich beschloss ich mir die nächste Vorstellung anzuschauen, denn es kam Pinocchio. Er ist übrigens eine Kinderbuchfigur des italienischen Autors Carlo Collodi. Das kleine Kino hat nur 63 Plätze, die zur Hälfte mit Kindern, ihren Eltern und meiner Wenigkeit besetzt waren. Es störte mich gar nicht, dass der Zeichentrickfilm auf Italienisch war und ich nicht ein einziges Wort verstanden habe. Ich kannte diese Geschichte aus meiner Kindheit sehr gut und erfreute mich an den wunderschönen Bildern. Einmal eine ganz andere Art der Entspannung und ein sehr gelungener Abschluss an diesem Abend in Rom. Es war toll mal wieder Kind zu sein. (-;

Am 10.03.13 habe ich mir den Vatikan angeschaut. Es war beeindruckend für mich an Orten zu stehen, die ich sonst nur aus dem Fernsehen oder den Medien kannte. Am nächsten Tag, dem 11.03.13 bin ich wieder bei meinen Streifzügen durch Rom am Petersplatz vorbeigekommen, aber heute war etwas anders als gestern. Es war ein riesiges Aufgebot an Presse vor Ort und an dem Balkon, von wo sonst der „Reiseonkel“ spricht, hing ein roter Vorhang …hmm … komisch… Als ich mich am nächsten Morgen im Internet nach den genauen Vorgängen im Vatikan informierte, las ich, dass am 12.03.13, also gerade zu dieser Zeit, die Kardinäle in die Sixtinische Kapelle eingezogen sind, um das Konklave (Papstwahl) zu vollziehen. Das ist eine Versammlung der Kardinäle, die den neuen Papst unter Ausschluss der Öffentlichkeit wählen. Eine Wahl wird notwendig, wenn das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gestorben ist oder auf sein Amt als Papst verzichtet, wie vor ein paar Tagen geschehen. Es heißt, dass wenn weißer Rauch über der Sixtinische Kapelle aufsteigt, der neue Papst gewählt ist. Gelesen, überlegt und getan! Also habe ich mich auf dem schnellsten Wege wieder „schon wieder“ zum 3 Kilometer entfernten Petersplatz gemacht. So und nun stand ich da und wartete und wartete und wartete ca. 3 Stunden auf dem großen Platz, der sich immer mehr mit Menschen aus aller Welt füllte. Ihr könnt euch das so vorstellen: Es stehen tausende Menschen bei 10° und Regen auf dem Petersplatz in Rom und schauen alle auf ein einfaches Ofenrohr über einer Kirche - Stunde um Stunde, Tag für Tag… So lange, bis die Kardinäle sich geeinigt haben. Ich kann euch sagen, ich habe mich anstecken lassen, es war besser als jeder Thriller… Ich schaute abwechselnd auf den Schornstein und dann wieder auf die riesigen Videobildschirme, auf denen das Rohr in Nahaufnahme zu sehen war. Und dann passiert es: es kam schwarzer Rauch aus dem Schornstein. Nach 4 ½ Stunden die Erlösung … nur für diesen Tag. Es war ja gerade Osterzeit und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es da sehr oft schwarzen Rauch gibt (Osterfeuer), aber jetzt wollte ich den weißen Rauch über Rom sehen. Also bin ich am 13.03.13 morgens „schon wieder“ zum Vatikan hin. Ich hatte schon das Gefühl, mehr auf dem Petersplatz zu stehen als jemals auf dem Viehmarkt in Cottbus (-; …

Ich schaue „schon wieder“ Stunde um Stunde auf das Ofenrohr und es hat kein bisschen von der Spannung von gestern verloren. Ich denke mir … es ist wie Pralinen essen - man weiß nie was kommt … ((-;

Doch da passierte etwas … wieder schwarzer Rauch. Am Nachmittag habe ich mich dann mit Mathias geschrieben, der unser Begleiter von Bangkok bis nach Singapur war. Alle guten Dinge sind drei meinte ich… heute Abend wird es … habe aber sicherheitshalber eine Nacht im Hostel verlängert, denn so eine Papstwahl kann Tage dauern… Am Abend des 13.03.13 stand ich … ??? Jupp auf dem Petersplatz und wieder schaute ich abwechselnd die Monitore und das Original Ofenrohr an. Glaubt mir, es war immer noch spannend … auch nach fast zwei Tagen Regen und Kälte!

… und dann war er da … der „Weiße Rauch“ über der Sixtinischen Kapelle in Rom. Nach fünf Wahlgängen war es beeindruckend, wie die stunden- bzw. tagelange Anspannung innerhalb weniger Sekunden in Jubel und Freude umsprang. Auch ich freute mich und ließ mich von der Euphorie anstecken, aber auch erfreut darüber, dass „der Thriller“ ein Ende hatte. Tausende Menschen vor Ort jubelten. Später zeigte sich der „Neue Reiseonkel“ (Papst Franziskus I.) noch auf dem Balkon mit dem roten Vorhang und hielt eine kurze Ansprache.

Jedenfalls habe ich den neu gewählten Papst live gesehen!!! (-:

 

Ich nehme den Weißen Rauch als Zeichen des Aufbruchs aus Rom und fahre weiter Richtung Pisa um zu sehen, ob da auch alles senkrecht ist. Die 328 km lange Küste der Toskana ist abwechslungsreich und landschaftlich sehr zu empfehlen. Ein Weingebiet wechselt das nächste ab. Ich fuhr an schönen Stränden und Orten vorbei, aber es gibt auf so einer langen Rad-Reise nicht nur tolle und aufregende Geschichten zu erzählen, es gibt auch Tage, an den das Wetter, die eigene Motivation, Heimweh und das Ziel vor Augen fehlen und des Radeln zur Qual wird ... Solch ein Tag hatte mich wieder mal eingeholt. ))-: Die Kilometer auf meinem Tacho vermehrten sich immer langsamer und das Wetter war auch nicht gerade das, was zum Reisen geeignet war und mit der Motivation war schon gar nichts mehr anzufangen. Und so schleppte ich mich ziellos von Ort zu Ort bis nach Grosseto. Das Beste passiert immer nebenbei … so auch an diesem Tag! Ich fahre in den Ort und sehe das Ortsschild! Ich schaute einmal, zweimal, ein drittes Mal und traute meinen Augen nicht! Steht da nicht „Cottbus Germany“ ??? … bin ich im falschen Film? Wo ist die verstreckte Kamera? Es fehlten bloß noch die Kilometer bis nach Hause. Später erfuhr ich von der Partnerschaft zu Cottbus. Und plötzlich hatte ich mit einem Mal mein Ziel und die Motivation wieder vor Augen. (((-: euphorisch und völlig happy schlug ich mein Nachtlager etwas außerhalb der Stadt auf und genoss den Abend in vollen Zügen ...

 

Am nächsten Tag erreichte ich gesund und munter Pisa.

Dort hatte ich ein paar schöne Tage und traf mich mit Lily aus Indonesien/Bali wieder die ich in Rom kennengelernt habe. Ich nenne sie immer Lily the Voice of Bali, weil sie echt schön singen kann, was sie an einem Bar-Abend in Rom bewiesen hat. Ganz spontan stieg sie zu dem Gesang des Sologitarristen ein und sang mit ihm einpaar tolle Songs. Natürlich habe ich mir auch den schiefen Turm von Pisa, das Wahrzeichen der Stadt, angeschaut. Lily hatte ich da gleich mal als Fotografin engagiert und auch da hat sie Talent bewiesen.

Die verbleibenden Tage in Pisa verbrachte ich mit Reparieren und Nähen meiner Handschuhe (Loch an Loch und hielten doch …), Route planen und Wäschewaschen … muss eben auch alles sein (-:

 

So langsam gingen die Zeit und meine Italienroute dem Ende entgegen, denn ich musste weiter Richtung Frankreich. Letzter Stopp im Land von „Pizza und Pasta“ sollte Genua sein. Die von steilen und hohen Bergen umgebene Stadt ist sehr schön. Viele kleine Gassen mit noch kleineren Restaurants und Cafés zieren die Hafenstadt. Im Mittelalter war der Hafen von Genua ein wichtiger Anlaufpunkt großer Seenationen.

Als ich dort verweilte, war der ganze Hafen mit Wolle und Garn verziert, was ein neuer Kult aus den USA war und nach Europa „rüberschwabbte“. Alle Geländer, Bänke, Palmen, Boote, Schilder und vieles mehr waren bunt verziert und sozusagen „umgarnt“. Als ich weiter durch die Altstadt zog, sah ich überall kleine Wimpel hängen, auf denen MSC draufstand. Es machte mich neugierig. Schnell war davon ein Foto gemacht und am Abend ließ ich mir im Hostel erklären, was es damit auf sich hatte. Und siehe da! Wenn Patrick in die Stadt kommt, wird gleich mal ein rieeesengroßes Luxus-Kreuzfahrtschiff getauft. Also, wenn ich schon bei der Konklave live dabei war, könnte ich mir auch noch die Taufe der MSC live anschauen… Ich war ganz aufgeregt, denn eine Livetaufe eines Schiffes hatte ich noch nie miterlebt und mir wäre auch kein Name eingefallen … was aber auch nicht meine Aufgabe war. (-; Am nächsten Abend wurde die MSC Preziosa mit einer großen Show und viel Prominenz getauft. Nach einer mit Licht, durch Musik unterstützten und großartigen Choreografie mit mehreren größeren Booten, knallte dann die Champagnerflasche an den Bug des Schiffes. Mit diesem „Urknall“ wurde ein beeindruckendes Feuerwerk über dem Meer in den Himmel geschossen. Einfach genial und typisch für Italien. (-:

 

… Frankreich über Monaco … ich komme … ihr könnt gespannt sein …

 

Liebe Grüße Patrick

Kommentare   

 
+3 #6 Jeanette & Robert 2013-04-15 21:44
Hallo Patrick,
du hast aber auch ein Glück! Wann kann man schonmal eine Papstwahl live miterleben.
Ich habe gerade mit Begeisterung deine Berichte gelesen und Fotos angeschaut. Wirklich toll!
Wir wünschen dir für deine letzten Kilometer viel Rückwind und allzeit gute und trockene Fahrt.

Liebe Grüße aus dem sonnigen Berlin,
Robert, Jeanette und Julia
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+2 #5 Sven 2013-04-06 18:19
In Italien, speziell Rom war ich auch noch nie... da muss ich unbedingt noch Urlaub machen. Für mich wäre das eher etwas mit dem Motorrad, aber mit dem Fahrrad.. :eek: alle Achtung Patrick, da hätte ich niemals die Ausdauer dafür :zzz . Sehr schön auch wie Du alles in Wort und Bild festgehalten hast. Beeindruckend wie ich finde. Auch Wir wünschen Dir weiterhin gute Fahrt, Liebe Grüsse von Liana und Sven :roll:
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+1 #4 Raik 2013-04-04 09:45
Ach bevor ich es vergesse zu sagen: Meine Enttäuschung ist schon recht groß, dass Dir wirklich kein Name eingefallen ist, Patrick. Wenn ich wirklich lange nachdenke, fallen mir für viele Schiffe viele Namen ein: Jenny 1, Jenny 2, ... :-)

Aber das soll nicht der einzige Wink mit dem Zaunspfahl auf den US-amerikanisch en Kinofilm sein, sondern man gewinnt mehr und mehr den Eindruck, dass Du ein gewisses Gump-Talent hast, in den großen Momenten am richtigen Ort zu sein, so gingst Du eben hin, schon wieder - als weiter so. In diesem Sinne wünsche ich Dir noch viele einfache und große Begegnungen ...

Liebe Grüße Raik
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+6 #3 Rita und Lutz 2013-04-03 17:49
Herzlichen Glückwunsch zu den heute erreichten 10.000 km Fahrrad-Strecke !! :-) Das fahren wir mit dem Auto so ca. in 2 Jahren ... Tolle Leistung!!! Respekt!!! :-)
Weiterhin unfallfreie Fahrt, pass gut auf dich auf und dass immer genügend Luft auf den Reifen ist ... wünschen Mu und Lu
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+2 #2 falk 2013-04-03 15:29
Hi Patrick,

mein hier geplanter Kommentar ist mir leider einen Bericht zu weit nach unten verrutscht. entweder der "Webmaster" holt den hierher oder ihr müsst halt da unten lesen.

Tschüß und wenn du gen Norden fährst, dann zieh die Winterreifen auf!!!
falk :-)
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+7 #1 Rita und Lutz 2013-04-01 09:12
Hallo Kleener,
wir haben den Eindruck, dass die großen Ereignisse erst stattfinden, wenn Patrick angeradelt kommt ... kann das sein? Wir wünschen dir weiterhin gute Live-Erlebnisse und etwas trockneres Wetter ... Gute Idee mit den postkartenähnli chen Fotos ... mal etwas anderes ...
Liebe Grüße aus dem nasskalten Cottbus von Mu und Lu
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