Indoor-Zelten, Kaffeefahrt in der Tee-Ebene und Menschenaffen: Malaysia hat einiges zu bieten

Singapur

232. Reisetag

7.280 Kilometer

(Zug: ca. 13.500 KM)

Auf dem Weg von Thailand nach Malaysia – dem dreizehnten Land unserer Reise – gilt für uns wie immer „safety first“. In den drei südöstlichen Provinzen Thailands (anders als im Rest des buddhistischen Landes, lebt hier eine muslimische Mehrheit) sind bei fast täglich begangenen Terrorakten durch Aufständische, in den letzten acht Jahren nahezu 5.000 Menschen ums Leben gekommen. Deshalb fahren wir lieber die Westküste Thailands entlang und steigen für den Grenzübergang auf eine Fähre zur Ferieninsel Langkawi um.

Nach der Grenzüberfahrt gilt der erste Gang wie so oft dem Geldautomaten – wieder müssen wir uns einen neuen Umrechnungskurs (Ringgit/Euro) merken – doch gleich danach geht’s zum „duty free“ Schokoladen Einkauf; zwei extra große Tafeln versüßen unseren Abend :--)

Nächster Tag, nächste Fährfahrt. Um 6:00 Uhr klingelt unser Wecker, um 7 Uhr sind wir am Ticketschalter und stellen erschreckt fest, dass der Rezeptionist die falsche Fährroute rausgesucht hat und das erste Boot erst in sieben Stunden ablegt: Wir schmollen nicht lange und fahren direkt zurück zum Hotel und legen uns wieder in die Koje :--)

Der zweite Versuch klappt, mit den Rädern auf der Bootsreling fahren wir nach Georgtown, eine nettes kleines Städtchen im Nordwesten Malaysias. Hier nehmen wir uns noch einen Tag frei, bevor es wieder auf die Piste geht. Untätig sind wir aber nicht, erst wandern wir drei Stunden in einem Nationalpark und anschließend schauen wir, was die hiesige Küche zu bieten hat. Hmm, das erste Testessen ist ein voller Erfolg, neben knusprigem Knoblauch-Brot gibt es würziges Lammfleisch-Gulasch auf Reis und das alles für zwei Euro. Dafür vergeben wir sehr gute neun von zehn Speichen :--)

Wieder auf den Rädern, steuern wir schon das erste Highlight unserer Malaysia Tour an, ein See-Resort mit einem Orang-Utan Park. Nach gut 90 Kilometern stehen wir am Eingangsschild und haben laut Karte nur 300 Meter vor uns. Doch die haben es in sich und machen schon mal Vorgeschmack auf die hügelige Westküste. Bei bis zu 15 Prozent Steigung fahren wir wie auf der Skipiste in Schlangenlinien, nur leider nicht bergab.

Über den Hügel gekrochen, offenbart sich das Resort als eine in die Jahre gekommene Freizeit-Anlage, bei der wir die einzigen Übernachtungsgäste sind. Kein Wunder bei stolzen Preisen und Schimmel an den Wänden, aber über diesen Hügel treiben uns heute keine Zehn Pferde mehr.

Der Besuch des Orang-Utan Parks auf einer kleinen Insel, entschädigt dann am kommenden Tag zumindest für den Aufwand. Die Affen ähneln doch stark uns Menschen, einer schützt sich unter einem Palmenblatt vor der Sonne und das frisch verliebte Paar erfreut sich aneinander.

Nach den gemütlichen ersten Radtagen steuern wir jetzt auf die Königsetappe, zu den Cameron Highlands zu. Die Bergregion in Mittel-Malaysia ist bekannt für den Teeanbau und bei fast allen Touristen auf dem Besichtigungsplan. Um den Anstieg von knapp 70 Kilometern etwas radfahrfreundlicher zu gestalten entscheiden wir uns, die Strecke auf zwei Tage aufzuteilen. So können wir gleich noch die teure Unterkunft im Affenpark durch eine Nacht im Zelt wettmachen. Glück im Unglück geschieht uns als Mathias‘ Reifen – wahrscheinlich aus Angst – kurz vor Beginn des Anstiegs, im wahrsten Sinne die Luft ausgeht. Passenderweise direkt vor einer Feuerwehrwache. Die Jungs können zum Glück nicht nur Brände löschen, sondern auch Schläuche aufpumpen und erzählen uns dabei stolz von ihrem Besuch in Deutschland im Jahre 1992. Sie dachten damals, die Mauer stehe noch, sonst wären sie auch in den Osten gefahren :--) Den brandheißen Tipp geben sie uns zum Schluss: „deckt euch mit Wasser und Riegeln ein, das nächste Café kommt erst in 44 Kilometern und das erreicht ihr heute nicht mehr.“

Mit jeweils drei großen Wasserflaschen rollen wir den Bergen entgegen. Leider haben wir keine Zeit zur Eingewöhnung, am Anfang ist gleich das steilste Teilstück und wir sind schnell auf Betriebstemperatur. Unsere sonst üblichen 10-Kilometer Pausen kürzen wir zunächst auf zwei Kilometer. Mit der Zeit setzt die Gewöhnung ein und wir finden den richtigen Rhythmus. Nach einem konstanten bergauffahren bei fünf Prozent Steigung, freuen wir uns endlich über eine leichte Abfahrt – juhuu. Beim Blick auf den Radcomputer wird jedoch schnell klar, dass da der Wunsch Vater des Gedanken ist und wir eigentlich immernoch hochfahren, jedoch nur bei einem Prozent Anstieg.           
Jetzt ist es 18 Uhr und wir machen uns langsam auf die Suche nach einem Schlafplatz. Die geeignete Stelle zum Zelten ist uns bisher nicht über den Weg gelaufen, eine Holzbude am Straßenrand bietet zwar genügend Platz, aber aufgrund der Kurvenlage auch genügend Risiko von den vorbeifahrenden Autos Besuch zu bekommen. Wir fahren weiter und siehe da, eine Häuserreihe auf der linken Seite. Und wir haben wieder Glück, ein Maler erlaubt uns in einem der noch nicht bewohnten Häuser zu übernachten. Da wir trotzdem nicht auf das Camping-Feeling verzichten wollen, bauen wir unser Zelt im Haus auf und kochen unser Süppchen auf dem Lagerfeuer :--) Als wir die Familie des Malers nach Ketchup fragen, bieten diese uns gleich ihr Essen und Tee an. Dank der guten Englischkenntnisse der Malaien (Malaysia war früher Teil des Britischen Empires) entwickelt sich ein längeres Gespräch, bei dem wir viel über das Leben in Malaysia und die Bedeutung, sowie Grundregel des Islam erfahren. Wenig Neid kommt auf, als wir erfahren, dass die fünf täglichen Gebetszeiten sich vor dem Sonnenaufgang bis nach dem Sonnenuntergang verteilen und das Verpassen eines Gebets (kann unter Umständen nachgeholt werden) dem Glauben nach, zu 80 Jahren in der Hölle führt. Es ist ein sehr kurzweiliger Abend, an dem wir jeweils viel von der anderen Lebensweise erfahren. Fasziniert ist die Familie davon, dass es bei uns dauerhaft warmes Wasser (auch im Winter wenn es Minus Grade sind!?) und echten Schnee gibt (nicht nur aus der Maschine).            
Am nächsten Morgen bekommen wir noch ein ausreichendes Frühstück und schießen ein paar Fotos für das
Familienalbum, bevor wir wieder die Hügel in Angriff nehmen.

Auf den Cameron Highlands angekommen, gönnen wir uns einen Ruhetag und besichtigen eine Teeplantage, sowie ein paar weitere Farmen: Rosenanbau, Schmetterlingszelt und Erdbeerfarm. Trotz des vielen Tees, ähnelt die Tour eher einer Kaffeefahrt mit Panoramaausblick. Das richtige Highlight kommt deshalb auch erst am kommenden Radtag – so wie nach dem Regen Sonnenschein folgt, ist es auch mit dem Anstieg – wir sausen 45 Kilometer die Bergkette runter und können nachvollziehen, warum sich viele ihr Fahrrad per Auto auf den Berg bringen lassen und dann selber runterfahren – alles Amateure!

 

Nach einem Halt bei einer für ihre zig tausend Glühwürmchen bekannten Gegend, fahren wir weiter Richtung Malaysias Hauptstadts, Kuala Lumpur. Ein Fotoshooting vor den Petronas Towers (mit 452 Metern bis zum Jahr 2004 das höchste Gebäude der Welt) steht hier ganz oben auf unserer Agenda. Daneben schlendern wir etwas in den zahlreichen Shopping-Malls und China Town.

Letzter großer Halt auf dem Weg nach Singapur ist Melaka, eine ehemalige portugiesisch Siedlung, die noch heute ihren Charme versprüht. Da wir nicht zu lange im teuren Singapur bleiben wollen, haben wir hier gleich drei Ruhetage am Stück :--) Passenderweise fallen diese mit dem Chinesischen Neujahrfest zusammen, an dem die chinesische Bevölkerung (fast ein Viertel der Gesamtbevölkerung) in ihr neues Jahr rein feiert. An jeder Ecke gibt es kleine Feuerwerke und im Zentrum ist ein großer Markt aufgebaut. In einer Bar genießen wir die Festivität. Die letzten zehn Sekunden zählen wir mit dem Live-Sänger mit – bloß gut, dass der dadurch mal aufgehört hat zu singen :--) Auch eine neue Erfahrung, sich zweimal im Jahr gesundes Neues oder Happy New Year zu wünschen.

Auf den letzten drei Radtagen ist uns das Glück etwas abhanden gekommen, es regnet jeden Tag und die Pannenstatistik wird durch Mathias‘ zwei Reifenschäden nahezu verdoppelt (Trotz dessen sind wir positiv erfreut, dass sein „second hand“ Rad so gut durchgehalten hat). Aber das kann uns alles nicht aufhalten und wir erreichen am frühen Abend mit allerhand geflickter Schläuche die Grenzstadt zu Singapur (Johor Bahru).

Jetzt sind wir nur noch 30 Kilometer bis zu unserem Zielort in Asien entfernt, von dem aus wir gen Europa fliegen. Über diese enorme Strecke – da kann einiges passieren…, es bleibt spannend :--) – und unsere letzten Eindrücke aus Asien, berichten wir in gar nicht allzu langer Zeit.Dann bringen wir Euch auch auf den neusten Stand unserer weiteren Tour-Planung.

 
 

Bis dahin viele Grüße an alle, bleibt gesund und munter

 

Mathias, Patrick und Matthias

 

Kommentare   

 
+3 #3 Kathrin und Frank 2013-02-21 21:39
Tolle Tour und super Bericht, danke wieder für die vielen Infos :-) . Lasst es euch noch gut gehen im fernen Asien, hier im Spreewald ist der Winter noch zu Hause.
Für en Resttrip im guten alten Europa wünschen wir euch alles Gute, bei viel Rückenwind. Kathrin und Frank
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+3 #2 Rita und Lutz 2013-02-18 07:24
Schööööön, dass ihr wieder in Europa angekommen seit ... Danke für den tollen Bericht und die Super-Fotos ... Gute Fahrt auf hoffentlich auch guten Radwegen in Europa .... Liebe Grüße aus Kolkwitz Mu. und Lu.
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+1 #1 katrin 2013-02-17 14:44
:lol: happy new year :lol:
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