Mongolei

Informationen bei Wikipedia

Informationen beim Auswärtigen Amt

 

Fläche: 1.564.116 Quadratkilometer

Einwohner: 2.754.685= 1,77 Einwohner je Quadratkilometer

Hauptstadt: Ulan Bator (Ulaanbaatar)

Pannen: Keine – sind nicht mit dem Fahrrad unterwegs gewesen

Wetter: Wir hatten meist etwas über 20 Grad und im Nationalpark auch immer blauen Himmel und Sonne. Nachts wurde es sehr kalt, da musst der Ofen der Jurte gut angeheizt werden

Unterkünfte: In Ulan Bator hatten wir ein Hostel, im Terenji Nationalpark landestypisch in einer Jurte

Verpflegung: Vorwiegend haben wir unseren großen Einkauf verbraucht – Reis mit Tomatensauce, leckere Crepe. In der Stadt gab es meist Reis- und Nudelgerichte mit Schweine- und Hühnerfleisch

Allg. Eindruck: Ulan Bator ist nicht sehenswert, eine der „hässlichsten“ Städte die wir gesehen haben. Sobald man hier rauskommt, gelangt man in wunderschöne Natur. Auf unserem kurzen Besuch hat es leider nur für einen Nationalpark gereicht, der schon erahnen lässt was die mongolische Landschaft zu bieten hat. Bewaldete Hügel, kleine Bäche und Flüsse.

Beim nächsten Besuch steht dann die Wüste Gobi auf der Liste.

Die Menschen haben grundsätzlich einen netten Eindruck gemacht, auch wenn wir ein paar schlechtere Erfahrungen gemacht haben.
Chaotisch ist aber der Verkehr, bisher die Spitze der rustikalen Fahrweisen. Dazu kommt, dass die Straßen selbst in der Hauptstadt von tiefen löchern durchfräßt sind, was die Fahrer zu teilweise halsbrecherischen Manövern verleitet.


Zu Besuch bei Dschingis Khan

Guilin (China)

80. Reisetag

2.758 Kilometer

(Zug: ca. 11.440 KM)

Bevor wir über unsere Zeit in der Mongolei berichten noch eine Sache die uns am Herzen liegt: Im Oktober sind wir in Vietnam, wo wir die Projekte besuchen wollen, die wir mit den gesammelten Spenden unterstützen. Bisher sind schon 1.112 Euro zusammengekommen, was schon eine große Summe ist und gut eingesetzt werden kann. Um das Ganze noch etwas zu beschleunigen starten wir jetzt eine Postkarten Aktion :--) Für jede Spende ab 20 Euro schicken wir Euch eine Postkarte aus China (oder Süd-Ostasien). Wer die Sache unterstützen will, einfach auf dieser Seite unter „Spendenaktion“ den Link folgend die Spende vornehmen und uns dann Eure Adresse auf Rad-Reise-Fieber@gmx.de schicken. Wer schon gespendet hat, kann natürlich auch seine Adresse schicken :--) Keine Angst, wir verwenden das Geld nicht für unsere Verpflegung, alles geht direkt an die Hilfsorganisation, die bei Bedarf Spendenquittungen ausstellt.

 

Jetzt könnte man vermuten es wird schwierig den Bogen zu spannen von großen Geldsummen zu unserem Aufenthalt in der Mongolei… Wenn auch nicht gleich, aber später im Bericht schaffen wir das problemlos :--) Aber von Vorne, noch steht uns ja wiedermal eine Zugfahrt bevor. Diesmal sind wir uns aber sicher in der 2. Klasse zu reisen, schließlich gibt es nach Irkutsk keine Holzklasse mehr. Und tatsächlich sind nicht nur die Betten komfortabler und Toiletten einladender (falls das Toiletten überhaupt sein können), wir haben auch ein ganzes Abteil mit vier Betten für uns allein. Das mussten wir so buchen, da es diesmal keine Ablagefläche unter der Decke gibt, wo wir die Räder hätten ablegen können. So verbringen jetzt wenigstens auch unsere zwei Schätze zwei entspannte Nächte auf den Oberbetten:--)

 

Von den 33 Stunden Zugfahrt waren am Ende „nur“ 25 wirkliche Fahrt, die restliche Zeit konnten wir an der Grenze mit Däumchen drehen verbringen. Der Grenzort ist nicht ohne Grund in keinem Reiseführer aufgeführt, außer einer Kaschemme in der es fettige Teigtaschen und gewöhnungsbedürftigen Kaffee gibt, sowie einem Park, der gleichzeitig als Müllhalde genutzt wird, gibt es nichts zu sehen. Interessanter war da schon zu beobachten wie Polizisten mitsamt Hunden den ganzen Wagon gründlich auf der Suche nach möglicher Schmuggel-Ware auseinander nehmen. Unsere Fahrräder zählen sie offensichtlich nicht zu solcher, sodass es nach acht Stunden weiter geht.

Erholt und guten Mutes kommen wir am nächsten Morgen in Ulan Bator, der mongolischen Hauptstadt an. Schnell ist der Taxifahrer auf sieben Euro runtergehandelt, was uns im Vergleich zu den russischen Preisen günstig vorkommt, sich später aber als zu viel herausstellt. Dafür lässt er sich nicht lumpen und packt ordentlich mit an, um die Räder mit einer haarsträubenden Konstruktion halb aus dem Kofferraum hängend anzubringen.

Auf der Fahrt zum Hostel kommen wir an weniger schönen Plätzen vorbei und hoffen bei jeder Straßenkreuzung dass wir weiterfahren. Aber alles Daumendrücken umsonst, das ist die letzte Kreuzung und wir sind da. Später am Tage finden wir hier einen verwesenden Hund und werden von Obdachlosen angemacht, die versuchen eine unserer Jacken zu stehlen. Nicht zuletzt deshalb beschließen wir möglichst schnell raus aus der Stadt in die Natur zu fahren und nehmen uns für den nächsten Tag vor, in einen 60 Kilometer entfernten Nationalpark im Norden Ulan Bators zu fahren. Den heutigen Tag wollen wir aber noch mit einem guten Abendessen abschließen und suchen uns ein Restaurant via Internet aus. Dahin wollen wir per Taxi fahren, die normalerweise einfach von der Straße aus zu rufen sind. Nicht so jetzt zur Rush hour, zu der alle Taxen bereits Fahrgäste befördern.

Nach 20 min haben wir dann aber doch Glück, als ein Familien-Van anhält und uns die Fahrerin auf Englisch anbietet zum Restaurant mitzunehmen. Kaum angeboten, sitzen wir auch schon mit ihrem Ehemann und drei Kindern im Auto und sprechen über unsere Reise und die mongolische Lebensweise. Daraufhin bietet uns die Frau, nennen wir sie Dschingis (ihr echter Name klingt ähnlich ist aber ellenlang), an, heute Abend ihre Familie in ihrem Haus mit mongolischer Jurte zu besuchen. Da überlegen wir nicht lange, schließlich bietet uns das die Gelegenheit authentisches Leben in der Mongolei kennenzulernen. Also ruft Dschingis ihren Vater an, der uns zum Abendessen begleiten und uns danach zu ihrem Haus, das 20 Kilometer außerhalb des Zentrums liegt, mitnehmen soll. Der Vater, nennen wir ihn Khan (seinen Namen haben wir wirklich vergessen), spricht kein Englisch, sodass wir beim Essen mit Händen und Füßen kommunizieren müssen. Aber dass wir sein Essen mit bezahlen wird er doch hoffentlich als nette Geste verstehen!
Die anschließende Fahrt zu dem Haus der Familie zeigt die schöne Seite von Ulan Bator – die Lichter der Häuser bei Nacht… Aber immerhin kann die Stadt einen Weltrekord für sich verbuchen, Ulan Bator ist die kälteste Hauptstadt.


Am Haus angekommen, werden wir von Dschingis herzlich empfangen. Obwohl wir schon gut gegessen haben, gibt es nochmal Teigtaschen und Wurst zum nachschieben. Zum Trinken tischt Dschingis sauren Milch Tee auf, den wir nur aus Höflichkeit nicht augenblicklich wegschütten. Es ist sehr kurzweilig hier, wir spielen mit den Kindern, schauen uns die Arbeiten des Ehemanns an, der als Inneneinrichter arbeitet und sprechen etwas über das Leben in der Mongolei und Deutschland. Dschingis zeigt uns auch die Familien-Jurte die in erster Linie als spiritueller Ort dient. Khan schaut eine russische Soap im Fernsehen und lacht zwischendurch laut auf. Als wir von unserem Plan berichten, für drei Tage in einen Nationalpark zu fahren, sagt Khan zu Dschingis etwas auf Mongolisch. Sie erzählt uns, dass er uns mag und uns anbietet mit zu seinem Bruder aufs Land zu nehmen. Dort können wir mit auf Jagd gehen, deren Pferde reiten und mit der Familie in der Jurte übernachten. Wir schauen uns kurz an und fangen beide an zu strahlen. Das klingt doch mal nach einem spannenden Trip – genau das was wir erleben wollen! Daraufhin rät uns Dschingis am besten ein paar Lebensmittel zu kaufen, die die Familie auf dem Land für die Speisen verarbeiten kann. Ansonsten sollen wir für die Fahrtkosten von Khan aufkommen. Schnell durchgerechnet verspricht das nicht nur ein größeres Abenteuer als der Nationalparkbesuch zu werden, es ist auch noch günstiger – alles paletti, wir sind dabei! Die Stimmung wird immer besser und zum Abschluss schießen wir noch ein Gruppenfoto. Khan bringt uns danach zurück in die Stadt zum Hostel und wir vereinbaren, dass er uns am nächsten Tag um 12 Uhr hier abholt.
Der Wecker klingelt um 10, schließlich wollen wir noch dem Markt einen Besuch abstatten, um die Gastgeschenke zu besorgen. Für Köche ist das hier ein Paradies, es gibt alles was das Herz begehrt.

Wir entscheiden uns für 5 Kg Reis, 10 Kg Mehl, 30 Eier, zwei Flaschen Wodka und 12 Liter Wasser– schließlich ist es eine große Familie und wir wollen gleich zu Beginn einen guten Eindruck hinterlassen :--)
Khan ist pünktlich und wir verstauen das Einkaufsgut und unsere Taschen in seinem Auto. Er ist gut drauf und pfeift fröhlich, wir sind es auch und lächeln freundlich mit gestrecktem Daumen. Nach 10 Kilometern stoppt Khan, ruft Dschingis an und gibt mir das Handy. Wie es uns geht fragt sie. Alles super, wir sind voller Vorfreude. Dann der Dialog, der alles ändert:

Dschingis:„Bitte hebt 250 US Dollar ab und gebt sie Khan“. Ich glaube mich verhört zu haben und frage nach. „ Wie viel?“

Dschingis: „3-3-0 US Dollar“. Wird ja immer mehr, ich habe kurz Angst nochmal nachzufragen, traue mich aber schließlich doch. „Wie viel und wofür?“ Dschingis: „3-3-0 Dollar für das Essen und die Fahrtkosten“. Wir fühlen uns wie im falschen Film und ich vertröste Dschingis für 5 Minuten um die Sache zu besprechen. Aber viel gibt es da nicht zu besprechen, die Sache ist eindeutig, wir sollen hier wie Weihnachtsgänse ausgenommen werden. Wir fühlen uns verarscht und enttäuscht zugleich, müssen aber erstmal schauen, wie wir hier wieder rauskommen. Also wieder mit Dschingis telefonieren. Nach einem gescheiterten Versuch, ihr deutlich zu machen, dass der Preis unverhältnismäßig hoch ist, frage ich schließlich was Khan für die Fahrt in den Nationalpark verlangt. Es wird nicht wesentlich besser – 100 Dollar sind für 60 Kilometer auch unverschämt viel. Am Ende drücken wir den Preis auf 50 Dollar und Khan fährt los. Unsere anfänglich euphorische Stimmung ist spätestens dahin, als wir nach einer Stunde Fahrt am Parkende raus gelassen werden und mit 30 Kilogramm Lebensmitteln praktisch im Niemandsland stehen. Das Ganze ist aber schon wieder so traurig, dass wir darüber lachen müssen.

Unser Glück im Unglück ist, dass wir unsere französischen Freunde aus der Transsib dank sms Austausch in einem der zahlreichen Jurte Camps wiedertreffen. Auch bei ihnen sorgt unsere Geschichte für viel Gelächter, zumal man nicht alle Tage zwei Leute mit Mehl, Reis und Eiern in der mongolischen Prärie rumlaufen sieht.
Ein Gutes hat der Einkauf doch noch, den Reis verwenden wir für die kommenden Abendessen und aus dem Mehl braten wir mit Zucker und Milch leckere Crêpes a la Dschingis Khan :--) Die Landschaft des Nationalparkt lässt die zurückliegenden Strapazen schnell vergessen, wir unternehmen Wanderungen über die anliegenden Hügel, vorbei an Flüssen und Wäldern. Abends wird in geselliger Runde in der Jurte der Ofen zum aufheizen und kochen angeschmießen und später der Wodka vernichtet. Ende gut, alles gut! Außer, dass wir nochmal nach Ulan Bator müssen, von wo die letzte Etappe der Transsibirischen/Transmongolischen Eisenbahn auf uns wartet, die Fahrt nach Peking.

Darüber schreiben wir dann beim nächsten Mal :--) Bis dahin beste Grüße

Patrick und Matthias