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Informationen bei Wikipedia

Informationen beim Auswärtigen Amt

 

Fläche: 312.685 Quadratkilometer

Einwohner: 38.501.000 = 123 je Quadratkilometer

Hauptstadt: Warschau

Datum Start Ziel Strecke Fahrzeit Durchschn. Geschw. Höhenmeter Bergauf Max Steigung
04.07.2012 Mescherin Stettin 30,98 01:50 16,81 137 5%
05.07.2012 Stettin Ploty 126,26 08:07 15,53 297 3%
06.07.2012 Ploty Uniescie 87,60 04:50 18,2 267 5%
07.07.2012 Uniescie Ustka 83,29 04:55 16,65 240 4%
08.07.2012 Ustka Gdyina 148,50 08:33 17,35 774 9%
09.07.2012 Gdyina Gdansk 30,77 02:20 13,16 71 6%
10.07.2012 Gdansk Ruhetag
11.07.2012 Gdansk Ruhetag
12.07.2012 Gdansk Elblag 77,00 04:17 17,96 118 4%
13.07.2012 Elblag Lidzbark Warminski 101,20 05:54 17,14 613 8%
14.07.2012 Lidzbark Warminski Karolewo 71,97 04:32 15,87 493 6%
15.07.2012 Karolewo Gizycko 54,46 03:52 13,75 302 6%
16.07.2012 Gizycko Ruhetag
17.07.2012 Gizycko Olecko 63,78 03:06 20,51 369 5%
18.07.2012 Olecko Marijampole (Litauen) 99,67 05:11 19,21 388 5%

Pannen: Keine :--)

Wetter: Anfänglich gutes Wetter wie in Deutschland; später oft kühler und Regenschauen während des Tages

Unterkünfte: Zeltplätze und einfache Hotels

Verpflegung: Mittags im Bistro/Supermarkt (Würste mit Brot)/ Imbiss (Döner); Abends Restaurant und selbst gekocht

Allg. Eindruck: Danzig war das Highlight der poln. Städte auf unserer Tour. Der Besuch der Wolfsschanze sehr interessant im historischen Sinne. Ansonsten sind wir auf den verschiedensten Wegen gefahren - von Landstraßen, über Schotterwege bis Schnellstraßen und Radwegen. An der Stelle ein Hinweis an die polnischen Unis: Bitte dem nächsten Jahrgang den Stadt- und Regionalplanern beibringen, wie man ordentliche Radwege plant. Diese hohen Bordsteinübergänge fahren sich mehr als übel...

   

Ruhe vor dem Sturm

Kaunas (Litauen)

20. Reisetag

1.318 Kilometer

In Danzig angekommen, hatten wir uns ja zur Abwechslung den Luxus von zwei Ruhetagen gegönnt und dabei schnell festgestellt, dass das Körper und Seele sehr gut tut- quasi die Belohnung für die Strampelei. Deshalb wollen wir zukünftig einen Rhythmus von 3-4 Radtagen bei 1-2 Ruhetagen einlegen. Soviel zum Stichwort „Ruhe“. Aber auch bei ausgiebigster Chillerei gehen zwei Tage schnell vorbei und wir haben unsere Drahtesel wieder gesattelt und sind weiter gen Osten aufgebrochen.

Bisher meinte es Petrus ja gut mit uns und von Regenschauern haben wir nur am Telefon aus Deutschland gehört bzw. sie sind nachts über uns gezogen. Dies änderte sich auf der Tour in die Masuren (poln. Seenplatte) und Litauen. Irgendwo hinter Danzig sitzen wir zum Mittag in einer Dönerbude und sehen, dass Regenwolken aufziehen. Wir freuen uns wie Schneekönige, als dann die ersten Regentropfen runterprasseln, denn jetzt können wir endlich unsere neu angeschafften Super-Duper-Regenklamotten testen. Dass wir uns dabei vor Lachen kaum noch halten können liegt aber weniger an den schicken Sachen, als vielmehr an der Tatsache das Matthias‘ Funktionskleidung derzeit noch eine Nummer zu klein ausfällt :--)


Die gute Laune über das feuchte Wetter ist mittlerweile der Einsicht gewichen, dass Radfahren mit nassen Klamotten nervt. Denn auch wenn die Jacke noch so wasserdicht ist, tut der Schweiß im Laufe des Tages von innen sein Übriges. :--( Ein Highlight unserer Wasserfahrten ist, wenn entgegenkommende LKW durch die vor Wasser überlaufenden Pfützen rollen, während wir zur schlechtesten Zeit am schlechtesten Ort genau in der Wasserflugschneise fahren und so eine kostenlose Gesichtsdusche bekommen; naja wenigstens den Wasserverbrauch von bis zu 5 Litern konnten wir so etwas senken :--)

Was die enge Kleidung angeht, ist Aussicht auf Besserung abzusehen. Wir fahren meist 5 bis 7 Stunden Rad am Tag und verbrauchen dabei ca. 500 – 600 Kcal/Stunde. Diesen Kalorienverbrauch können wir auch mit ausschweifenden Essgelagen nur schwerlich dem Körper zuführen. Deshalb der Tipp für alle, die vergeblich Diäten ausprobieren – einfach den Tag lang Radfahren, dann braucht man auch nicht mit der Butter sparen :--)
Apropos Essen, wir haben mittlerweile schon die eine oder andere polnische Spezialität lieben gelernt – besonders das Schweinefleisch, Flaki (in Streifen geschnittener Rindermagen) und Borschtsch(Rote Beete Suppe) haben es uns angetan. Dabei nicht mithalten konnte das schimmelige Brot aus dem Supermarkt – gut, dass wir erst eine Scheibe gegessen hatten :--(

So, zurück zur Tour. Auf unserer Route zu den Masuren sind wir auch auf historischen Pfaden unterwegs gewesen. In der Nähe von Rastenburg (Ketrzyn)liegt das ehemalige Führerhauptquartier aus der NS-Zeit „Wolfsschanze“, das wir einen Vormittag lang besichtigt haben. Auch wenn heutzutage tlw. nur noch die Reste der zahlreichen Bunker stehen, sind die Dimensionen schier unglaublich und geben einen guten Eindruck über die damaligen Zeiten. Diesen Eindruck haben wir gleich nochmal am eigenen Leib spüren können, als wir uns beim Rückweg auf die Hauptstraße für eine andere Route entschieden haben, um dann feststellen zu müssen, dass das Kopfsteinpflaster offensichtlich auch aus der Vorkriegszeit stammt und bestimmt noch die nächsten Jahrhunderte überleben wird – für eine Ganzkörpermassage ist es auf jeden Fall das beste Pflaster :--)

Nach vier Tagen und 300 Km haben wir dann die Seenplatte erreicht und uns passenderweise einen Zeltplatz am See gesucht. Was uns hier bei der Bezahlung der Camping-Gebühren passiert ist, kommt sonst nur in schlechten Kurzfilmen vor: Nicht nur, dass wir von drei Personen jeweils an einen anderen Verantwortlichen verwiesen wurden – vom Toilettenwerter zum Kioskbetreiber zur Frau des Toilettenwärters (War sie das?) zu einem rumlaufenden Mann. Der fühlte sich dann schließlich verantwortlich unser Geld entgegenzunehmen. Wir waren happy, bis der Toilettenwärter 2 Zloty (50 Cent) für den Gang auf die Holzbude verlangt. Schnell ist verhandelt, dass das doch in der Camping-Gebühr inkludiert sein sollte. Abends werden dann erneut 2 Zloty veranschlagt- diesmal für das Waschen des Geschirrs. Da hörte der Spaß langsam auf. Das wurde am nächsten Tag aber noch getoppt. Der rumlaufende Mann (der Tags zuvor noch das Geld entgegennahm) war nicht mehr da und nach erneuter Suche nach einem Verantwortlichen sind wir bei einem älteren Herrn angekommen, der offensichtlich zu viel vom polnischen Wodka probiert hat und statt uns beiden nun drei Leute gesehen und berechnet hat. Wüste Schimpftiraden später kam uns dann schließlich der Toilettenwärter zur Hilfe und korrigierte den Preis wieder auf zwei Personen.

Ende Gut alles Gut, außer beim Wetter. Bei regelmäßigen Regenschauern ging es für uns weiter Richtung Nordosten. Wir haben es uns angewöhnt, bei den ersten Regentropfen die nächste Bushaltestelle anzufahren und den Schauer abzuwarten, so können wir möglichst lange trocken bleiben und die Trockenzeiten zum „Kilometerschrubben“ nutzen. Mit dieser Technik haben wir uns von den Masuren bis nach Litauen vorgestrampelt – das erste uns bisher unbekannte Land:--) Von unseren Erlebnissen hier berichten wir dann beim nächsten Mal….

Bis dahin viele Grüße von Patrick und Matthias

 

Polen ist offen ...

Danzig

10. Reisetag

789 Kilometer

… und wir sind gleichmal über die Grenze bis nach Danzig gefahren.

Nachdem wir in Deutschland fast ausschließlich auf Radwegen unterwegs waren und gut vorangekommen sind, waren wir für Polen was die Straßenverhältnisse angeht auf das Schlimmste gefasst. Unsere Erwartungen wurden gleich bei dem Weg nach Stettin bestätigt, als wir auf einem Untergrund, der eher als Flickenteppich denn als Straße zu bezeichnen ist, eingefahren sind. Mit dieser unbekannten Belastung konfrontiert, haben wir uns kurzerhand entschlossen in Stettin zu bleiben und den Nachmittag in der Stadt für Organisatorisches (den ersten Bericht schreiben) und Muskelregeneration zu nutzen. Ersteres haben wir geschafft, zum Erholen war die Zeit zu knapp, aber immerhin waren wir abends deftig in einem polnischen Restaurant Eisbein und Rouladen essen.

Also ging es am nächsten Tag wieder auf den Sattel; es sollte ein sehr langer Tag werden. Nach zweistündiger Fahrt aus Stettin sind wir abwechselnd auf stillgelegten Autobahnen, Dorfstraßen und Wald- bzw. Betonplattenwegen gefahren. Als wir einen Dorfbewohner nach dem Weg fragten (das Navi hatte keinen angezeigt), konnten wir lediglich was mit „Betoninski“ oder so raushören. Als der Weg sich dann in zwei Betonplattenwegen geteilt hat, fiel die Entscheidung nicht leicht…. Immerhin konnten wir so mal ein Bild vom Sonnenuntergang knipsen und einen neuen Streckenrekord für die Tour aufstellen (126 Km)- der sollte aber nicht lange Bestand halten.

Angenehmer ging es weiter, weil wir mit dem Tagesziel die Ostsee zu erreichen, losfuhren. 30 Kilometer vor dem Meer hat uns ein Rennradfahrer während der Fahrt angesprochen und uns angeboten bis zu einem Zeltplatz zu begleiten. Das Angebot hätten wir lieber dankend ablehnen sollen: zu sehen wie der Pole locker leicht vor uns her radelt und bei jedem Anstieg ohne Mühe davonzieht, war ein deprimierendes Erlebnis, das sich tief eingebrannt hat (-:
Ein ausgiebiger Strandspaziergang mit anschließendem Clubbesuch hat dann aber für die vorangegangenen Strapazen entschädigt. An der Stelle sei erwähnt: Das Bier ist süffig und kostet meist nur 1,50€ (-:

 

Unterwegs treffen wir immer wieder auf Leute, die interessiert unsere Räder begutachten und fachsimpeln. Leider reicht unser polnischer Wortschatz der sich bisher aus „Guten Tag“ (dschin dopre) und „Danke“ (dschiäkujä) zusammensetzt nicht aus, um mitzureden. Wir nicken stets freundlich fahren später mit extra großer Dynamik los, um dann hinter der Ecke wieder einen Gang runter zuschalten.

Im Laufe eines Radtages wechseln sich schöne und weniger schöne Momente regelmäßig ab. Ein gutes Beispiel ist die letzte Etappe nach Danzig, die auch die mit Abstand schwerste bisher war. Schön ist, wenn man früh startet und keinen Gegenwind hat. Auch gut ist, wenn man zum Mittagessen (14:30 Uhr) schon 77 Kilometer auf dem Tacho hat. Weniger schön ist, wenn danach der Seitenstreifen endet und man auf der Landstraße fahren muss. Sehr schön ist es, wenn eine Gruppe Jungs mit ihren Rädern mit uns um die Wette fahren will und wir sie auch nach 80 Kilometern in den Beinen und vollbepackt stehen lassen. Das war wirklich schön (-:
Gar nicht schön ist, wenn man bei Kilometer 115 und dem Meergeruch in der Nase auf einmal auf einen Berganstieg mit 5 % Steigung trifft, der sich in nicht enden wollenden Serpentinen verläuft. Aber am unschönsten ist, das einzige Hostel im Vorort von Danzig (Gdynia) eine Stunde zu suchen, um dann festzustellen, dass es ausgebucht ist. So endete dieser Tag nach achteinhalb Stunden und 148 Kilometer auf dem Rad, im Stadtpark, mit kalten Würstchen und Letscho aus dem Glas. Für die die es interessiert - der Stadtpark von Gdynia liegt natürlich auch auf einen Hügel )-:
Um 6 Uhr war dann auch Schluss mit dem bescheidenen Schlaf, schließlich wollten wir nicht von der Polizei geweckt werden. Zwei Bänke an der Promenade mussten dann als nachträgliche Schlafstätte herhalten.

Jetzt ist aber wieder alles gut; wir sind seit gestern in Danzig in einem Hostel und hatten heute den ersten Ruhetag und morgen kommt gleich noch einer. Hier schlendern wir ein bisschen in der schönen Stadt und behandeln unsere Wehwehchen. Mal schauen wie unsere Körper diese ungewohnte Entspannung verkraften (-: Das berichten wir dann beim nächsten Mal.

Bis dahin alles Gute

Patrick& Matthias

PS: Vielen Dank für die aufmunternden Kommentare!