Polen ist offen ...

Danzig

10. Reisetag

789 Kilometer

… und wir sind gleichmal über die Grenze bis nach Danzig gefahren.

Nachdem wir in Deutschland fast ausschließlich auf Radwegen unterwegs waren und gut vorangekommen sind, waren wir für Polen was die Straßenverhältnisse angeht auf das Schlimmste gefasst. Unsere Erwartungen wurden gleich bei dem Weg nach Stettin bestätigt, als wir auf einem Untergrund, der eher als Flickenteppich denn als Straße zu bezeichnen ist, eingefahren sind. Mit dieser unbekannten Belastung konfrontiert, haben wir uns kurzerhand entschlossen in Stettin zu bleiben und den Nachmittag in der Stadt für Organisatorisches (den ersten Bericht schreiben) und Muskelregeneration zu nutzen. Ersteres haben wir geschafft, zum Erholen war die Zeit zu knapp, aber immerhin waren wir abends deftig in einem polnischen Restaurant Eisbein und Rouladen essen.

Also ging es am nächsten Tag wieder auf den Sattel; es sollte ein sehr langer Tag werden. Nach zweistündiger Fahrt aus Stettin sind wir abwechselnd auf stillgelegten Autobahnen, Dorfstraßen und Wald- bzw. Betonplattenwegen gefahren. Als wir einen Dorfbewohner nach dem Weg fragten (das Navi hatte keinen angezeigt), konnten wir lediglich was mit „Betoninski“ oder so raushören. Als der Weg sich dann in zwei Betonplattenwegen geteilt hat, fiel die Entscheidung nicht leicht…. Immerhin konnten wir so mal ein Bild vom Sonnenuntergang knipsen und einen neuen Streckenrekord für die Tour aufstellen (126 Km)- der sollte aber nicht lange Bestand halten.

Angenehmer ging es weiter, weil wir mit dem Tagesziel die Ostsee zu erreichen, losfuhren. 30 Kilometer vor dem Meer hat uns ein Rennradfahrer während der Fahrt angesprochen und uns angeboten bis zu einem Zeltplatz zu begleiten. Das Angebot hätten wir lieber dankend ablehnen sollen: zu sehen wie der Pole locker leicht vor uns her radelt und bei jedem Anstieg ohne Mühe davonzieht, war ein deprimierendes Erlebnis, das sich tief eingebrannt hat (-:
Ein ausgiebiger Strandspaziergang mit anschließendem Clubbesuch hat dann aber für die vorangegangenen Strapazen entschädigt. An der Stelle sei erwähnt: Das Bier ist süffig und kostet meist nur 1,50€ (-:

 

Unterwegs treffen wir immer wieder auf Leute, die interessiert unsere Räder begutachten und fachsimpeln. Leider reicht unser polnischer Wortschatz der sich bisher aus „Guten Tag“ (dschin dopre) und „Danke“ (dschiäkujä) zusammensetzt nicht aus, um mitzureden. Wir nicken stets freundlich fahren später mit extra großer Dynamik los, um dann hinter der Ecke wieder einen Gang runter zuschalten.

Im Laufe eines Radtages wechseln sich schöne und weniger schöne Momente regelmäßig ab. Ein gutes Beispiel ist die letzte Etappe nach Danzig, die auch die mit Abstand schwerste bisher war. Schön ist, wenn man früh startet und keinen Gegenwind hat. Auch gut ist, wenn man zum Mittagessen (14:30 Uhr) schon 77 Kilometer auf dem Tacho hat. Weniger schön ist, wenn danach der Seitenstreifen endet und man auf der Landstraße fahren muss. Sehr schön ist es, wenn eine Gruppe Jungs mit ihren Rädern mit uns um die Wette fahren will und wir sie auch nach 80 Kilometern in den Beinen und vollbepackt stehen lassen. Das war wirklich schön (-:
Gar nicht schön ist, wenn man bei Kilometer 115 und dem Meergeruch in der Nase auf einmal auf einen Berganstieg mit 5 % Steigung trifft, der sich in nicht enden wollenden Serpentinen verläuft. Aber am unschönsten ist, das einzige Hostel im Vorort von Danzig (Gdynia) eine Stunde zu suchen, um dann festzustellen, dass es ausgebucht ist. So endete dieser Tag nach achteinhalb Stunden und 148 Kilometer auf dem Rad, im Stadtpark, mit kalten Würstchen und Letscho aus dem Glas. Für die die es interessiert - der Stadtpark von Gdynia liegt natürlich auch auf einen Hügel )-:
Um 6 Uhr war dann auch Schluss mit dem bescheidenen Schlaf, schließlich wollten wir nicht von der Polizei geweckt werden. Zwei Bänke an der Promenade mussten dann als nachträgliche Schlafstätte herhalten.

Jetzt ist aber wieder alles gut; wir sind seit gestern in Danzig in einem Hostel und hatten heute den ersten Ruhetag und morgen kommt gleich noch einer. Hier schlendern wir ein bisschen in der schönen Stadt und behandeln unsere Wehwehchen. Mal schauen wie unsere Körper diese ungewohnte Entspannung verkraften (-: Das berichten wir dann beim nächsten Mal.

Bis dahin alles Gute

Patrick& Matthias

PS: Vielen Dank für die aufmunternden Kommentare!

 

Kommentare   

 
+1 #9 Christina Wendt 2012-08-09 07:38
Hallo Jungs,- ich sag das jetzt mal so, weil meine Tochter in eurem Alter ist -,ich habe gerade eben in einer alten LR den Artikel über euch gelesen und sofort nach eurer Homepage gegoogelt.
Ich bin selbst begeisterter Radfahrer, allerdings nicht annähernd in solchen Dimensionen wie ihr :)), und beneide euch sehr um eure Erlebnisse. Deshalb werde ich auch regelmäßig hier lesen, wie weit ihr seid und wie es euch geht. Ich drücke euch die Daumen und fiebre mit, dass ihr gesund und von größeren Pannen verschont bleibt,das Wetter erträglich ist, ihr nur netten Menschen begegnet und einigermaßen befahrbare Wege findet.
Unsere Radtouren letztes Jahr in Masuren wären diesbezüglich nicht so lustig...
Eure Fotos von Danzig erinnern mich an einen wunderschönen Urlaub dort..., ach ja, das Fernweh...
Alles Gute für euch Zwei.
Herzliche Grüße von Christina
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+5 #8 Maj 2012-07-16 10:50
Hey ihr beiden,

bin so stolz auf euch und freu mich sooo sehr euch bald auf eurer Abenteuerreise besuchen zu können :lol: !! Fahrt weiter vorsichtig und passt auf euch auf!

Wir freuen uns auf die nächsten tollen Reiseberichte mit vielen schönen Fotos.

Viele liebe Grüße und Küsse für dich Schatz ;-) , Maj
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+1 #7 Franitza, Rosi und G 2012-07-15 16:54
Hallo Ihr zwei,
ich habe gleich nach eurem Start schon mal versucht, euch zu schreiben, aber das ist zitiere MatthiasF:
sehr gut Danzig!

auch sehr gut: die Bilder, top. Am besten finde ich das auf der ehemaligen Autobahn, das sich in der Endlosigkeit verliert...

dagegen klingen 77km am frühen Mittag für einen Tag total wenig...aber dann habt ihr wiederum schon fast 1k km gefahren... also schon Einachtzehntel der ganzen Tour...alles ist relativ

irgendwie nicht geglückt. Leider konnten wir euch am Sonntag in Cottbus nicht mit verabschieden, aber in Gedanken waren wir dabei, wie auch heute. Wir wünschen euch bei der weiteren Tour alles Gute, bleibt vor allem gesund und unternehmungsfreudig!
Liebe Grüße eure (deine) Nachbarn Rosi und Günter :-)
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+1 #6 Silke 2012-07-14 16:39
toller Bericht und tolle Bilder, besonders die Sicherheitsvorkehrung...cool
weiterhin alles Gute!!!
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+2 #5 stefan 2012-07-11 16:16
danzig ist ja echt wunderschön! Und patricks pausengestaltun g gefällt mir ausgesprochen gut, kenne ich irgendwo her ;-) aber am besten sind eure sicherheitsvork ehrungen :D alles gute!
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+1 #4 Sandrinchen 2012-07-11 15:15
Ihr Lieben, ich bin so stolz drauf mit euch Abenteurern befreundet zu sein!
Macht so optimistisch und tatkräftig weiter und genießt die Auszeit und das wahre Leben.
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+2 #3 Berndog 2012-07-11 06:18
Respekt ihr beiden, weiter so. ich hoffe, ihr habt die beiden Mädels auf dem Foto nicht nur fotografiert...
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+1 #2 Karin Schillow 2012-07-11 04:57
Hallo Ihr Lieben,
es ist immer schön zu lesen, dass es Euch gut geht. Bin mächtig stolz auf Euch!
Alles Liebe von Raik, Karin, Annelie und Elias
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+1 #1 MatthiasF 2012-07-10 17:39
sehr gut Danzig!

auch sehr gut: die Bilder, top. Am besten finde ich das auf der ehemaligen Autobahn, das sich in der Endlosigkeit verliert...

dagegen klingen 77km am frühen Mittag für einen Tag total wenig...aber dann habt ihr wiederum schon fast 1k km gefahren... also schon Einachtzehntel der ganzen Tour...alles ist relativ
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