Patrick – Mit Geocaching durch die Stadt und mit Portwein nach Santiago

Saint-Amand-Montrond

335. Reisetag

13.564 Kilometer Rad

 

Portugal ist das letzte unbekannte Land für mich auf dieser Reise. Gleich als ich über die Grenze fuhr, war mir Portugal sympathisch. Bei leicht bewölktem Himmel führen mich viele kleine Straßen und Wege von Portalegre über Coruche nach Lissabon. Voller Stolz nähe ich während einer Pause Richtung Lissabon meine Portugiesische Flagge an meine Radtaschen. Noch zwei Flaggen, die in Leipzig auf mich warten, und dann habe ich alle 20 Länder auf den Taschen verewigt. (-:

 

Lissabon - schon viel gehört, aber noch nie da gewesen - bis jetzt. Mit der Fähre von Montijlo ging es direkt ins Zentrum Lissabons. Die Hauptstadt Portugals liegt im äußersten Südwesten Europas an einer Bucht der Flussmündung des Tejo bzw. an der Atlantikküste der Iberischen Halbinsel. Dem Fluss Tejo bin ich schon eine ganze Weile von Madrid nach Lissabon gefolgt. In Lissabon bezog ich ein sehr schönes Hostel, was dem Standard eines Hotels in nichts nachstand. Sehr schöne Zimmer und liebevoll eingerichtet Aufenthaltsräume, eben alles was ein einsamer Reisender so braucht … . (-: Ich machte gleich nette Bekanntschaften mit Rebecca und Michael, die beide aus Bayern stammen. Am Abend schauten wir uns dann das Pflichtprogramm für einen waschechten Bayer an. Bei Schnitzel mit Pommes und Bierchen fand ich das Champions-League-Spiel: FC Barcelona – Bayern München (0:3) gar nicht so übel. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag zur Stadtbesichtigung. Lissabon hat sehr viel an Sehenswürdigkeiten zu bieten, aber bei mir war die Reisemüdigkeit voll und ganz angekommen. Ich konnte mich nur schwer für etwas begeistern. Auf dieser Reise habe ich so viele Hauptstädte gesehen, dass sie mir langsam alle gleich vorkommen, was sie aber nicht sind. Etwas muss sich ändern! An diesem Tag beschloss ich, mich ab sofort nur noch auf den Weg Richtung HEIMAT ( … hört sich schon gut an …) zu konzentrieren und von den großen Touristen-Touren Abstand zu nehmen. Von meiner „persönlichen Schlussrunde“ war Lissabon der äußerste Punkt. Von dort ging es für mich nur noch geradewegs nach Hause…Familie, Freunde und Bekannte fehlen mir… seitdem ich allein fahre noch viel mehr.

Mit den zwei Münchnern schaute ich mir dann doch noch das eine oder andere an: Hieronymus-Kloster, Torre de Belém und Tram 28 sind einige der Sachen, die wir besichtigt haben. Tram 28! Das ist doch nur eine Straßenbahn? Falsch, es ist DAS Erlebnis in Lissabon: Die Original-Wagen aus den 30er Jahren sind innen komplett aus Holz gebaut. Die Fahrt geht über die Hügel von Lissabon in steilen Kurven auf und ab, und durch unglaublich enge Gassen … einfach cool. (-:

Michael zeigt mir, wie man Lissabon und auch andere Ort besichtigen kann, wenn man so wie ich, keine Lust mehr auf noch mehr Gebäude, Kirchen, Plätze usw. hat. Das Wundermittel heißt „Geocaching“ (-; …. Tada!!! Geocaching, auch GPS-Schnitzeljagd genannt, ist eine Art elektronische Schatzsuche oder Schnitzeljagd. Die Verstecke „Geocaches“, kurz „Caches“ genannt, werden anhand geografischer Koordinaten im Internet veröffentlicht und können anschließend mit Hilfe eines GPS-Empfängers (mein Navi) gesucht werden. Es macht einen Riesenspaß wie Indiana Jones durch die Straßen zu laufen und nach den kleinen Schätzen zu suchen. Hat man einen Schatz gefunden, trägt man sich in ein kleines Büchlein ein, lässt noch einen lieben Gruß da und macht sich auf zum nächsten Schatz. Mal eine ganz andere Art der Reisemüdigkeit zu entkommen. ((-:

Die „wilden Zeiten“ gehen so langsam dem Ende entgegen. In Portugal übernachtete ich eine Nacht im Hotel, eine Nacht wild gezeltet, drei Nächte auf einem Zeltplatz und sechs Nächte wie ein zivilisierter Reisender in einem Hostel. Die Zeltplätze sind sehr schön und günstig - 4,-€ pro Nacht - da kann man nicht viel falsch machen. Denn so wie die Reisemüdigkeit aufgekommen ist, nervt auch das wilde Campieren. Irgendwann, vor allem bei diesem dauerhaft wechselhaften und nassen Wetter, sehnt man sich nach einer trockenen und warmen Unterkunft.

 

Die 388,06 Kilometer von Lissabon nach Porto fuhr ich in drei Tagen. Sie sieht aus wie eine Eisenbahn-Kulisse, wenn man über die „Ponte Dom Luis I fährt. Diese Bogenbrücke über dem Fluss Douro verbindet die Städte Porto und Vila Nova de Gaia. Porto ist für seinen Portugiesischen Portwein bekannt. Portwein, kurz Port genannt, ist ein roter, seltener auch weißer Süßwein, der zu den Klassikern der Weinwelt zählt. Echter Portwein stammt gemäß Portweininstitut immer aus Portugal, aus dem genau definierten Herkunftsgebiet im nordportugiesischen Douro-Tal. Also war ich hier genau richtig, um in einer der vielen Portweinkellereien den Port zu verkosten. Auf Empfehlung der Hostel-Chefin ging ich in die Sandeman Kellerei. Und ich kann euch sagen, dass es sehr interessant und äußerst lecker war. Nach zwei Gläschen war ich schon so beflügelt, dass ich mal wieder die Reisekasse strapazierte und eine Flasche „Sandeman 10 Year Old Tawny“ einkaufte. ((-: Man kann ja nie wissen wozu man den mal braucht …

 

… und wie es dem kostbaren Nass aus dem Douro-Tal und mir auf dem Camino de Santiago (Jakobsweg) erging, erfahrt ihr im nächsten Bericht …

Bis bald … eurer Patrick


 

Kommentare   

 
+3 #5 Karin Schillow 2013-06-03 08:01
Hallo Patrick oder doch besser Indiana,
Bücher lesen, Wein trinken... bist Du das wirklich??? Wenn wir mal gar nicht wissen, was wir tun sollen, machen wir Geocaching. Wäre ja mal ne Idee für einen Kindergeburtsta g :-)
Auch wir vermissen Dich und Annelie fragt sehr oft nach Dir. Nun können wir ihr aber schon sagen, dass Du Dich auf dem Heimweg befindest.
Pass auf Dich auf - und bin immer noch mächtig stolz (und auch ein bisschen neidisch) auf Dich!
Ganz herzlich Karin
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+3 #4 Lutz und Mama Rita 2013-06-03 06:19
Hallo Welt-/Europa-Re isender, am Wochenende waren wir auch zu einer Weinverkostung auf Schloss Wackerbarth im Dresdener Raum ... da haben wir ganz doll an dich gedacht! Lissabon würde uns auch interessieren, aber Geocaching eher nicht ...Wir müssen so schon oft genug suchen ... Wünschen dir auf der Schlussetappe gutes Wetter und eine glückliche Heimreise! Danke für die aussagefähigen und schönen Fotos ... Liebe Grüße aus dem "Land unter" ... Lu und Mu
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+1 #3 Patrick.Schillow 2013-06-02 15:27
@ BrudeRaik
Na zum Weinliebhaber er nicht :lol:
Es gibt auch einen Geocach bei dir, keine 600m von Zuhause :lol: … nennt sich Langebrücker Runde
Grüße zurück 8)
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+3 #2 BrudeRaik 2013-06-02 12:23
Hallo Patrick, Fernweh grüßt Heimweh ...

sehr schöne Fotos aus Portugal, insbesondere Lisboa. Die TRAM-Linie 28 ist in der Tat echt ein Erlebnis, freue mich, dass es Dir auch gefällt. Bist Du jetzt zum Weinliebhaber geworden?

Im Übrigen gab es Geocaching auch in Dresden.
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+2 #1 Phil 2013-06-01 12:00
Man, da liest man sich gerade hungrig und dann ist die Story auch schon wieder zu Ende :D
Will mehr ;-)
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