„Russland ist mit dem Verstand nicht zu begreifen…“   

(F. Tschutschew)

Irkutsk (Russland)

61. Reisetag

2.696 Kilometer

(Zug: ca. 6000 KM)      

Die Ruhe und Schönheit der finnischen Landschaft aufgesogen, haben wir uns wieder auf unsere zweirädrigen Freunde geschwungen und aufgemacht, um ins große Russland zu fahren.

Am Grenzübergang ist mal wieder ein Moment der Freude über die Wahl unseres Fortbewegungsmittels – die riesige Schlange von LKW, PKW und Bussen hinter uns lassend, haben wir uns an die Pole-Position vorgemogelt. Die ganze Grenzkontroll-Prozedur dauert dann trotzdem eine ganze Zeit, sodass wir das nächste Motel nach der Grenze anfahren wollen. Und schon geht’s los mit den Kommunikationsschwierigkeiten. Am Ende bleibt – nix Bett, alles voll, also weiter zum nächsten Hotel.Schließlich sind wir in Vyborg angekommen und das Spiel geht munter weiter- am Ende haben wir 7 Hotels abgeklappert (alle voll bzw. nicht für Ausländer). Auch eine Art seinen Abend zu verbringen! Es ist mittlerweile 21 Uhr und wir haben 130 Km in den Beinen – die gute Stimmung vom Tagesbeginn ist verflogen. Am Ende finden wir mit heimischer Hilfe (Danke Schatz :--)) und Kyrillischen Entschlüsselungskünsten von Patrick dann um 23 Uhr doch noch ein Hostel. Wir waren selten so froh das Wörtchen „Yes“ zu hören ;--)

Es sollte auch vorerst das letzte bleiben, schließlich sprechen nicht viele Russen Englisch. Das macht es uns auch nicht leicht am nächsten Tag einen Zeltplatz auf den Weg nach St. Petersburg ausfindig zu machen. Wir stehen also verzweifelt mit einem russischen Wörterbuch da, als uns ein nettes Pärchen wie gerufen zur Hilfe kommt. Nach 30 min Suche mit deren Smartphone rufen sie schließlich in einem Hotel an. 85 Euro sind uns aber viel zu teuer, sodass wir uns bedanken und für Wildzelten entscheiden. Das können die beiden nun gar nicht verstehen und bieten uns an, mit nach St. Petersburg im Auto zu nehmen. Das widerspricht aber unserem Vorhaben per Rad nach St. Petersburg einzufahren, sodass wir dieses Angebot dankend ablehnen. Schlussendlich fahren die beiden mit dem Auto voraus, um uns an einen nahegelegen See zu bringen. Hier wollen sie uns dann noch 3 Bananen und Rubel geben. Das Geld haben wir dankend abgelehnt, die Bananen mit einem Strahlen genommen – als gebürtige Ossis weiß man die ja bekanntlich zu schätzen :--) Ob die beiden das geahnt haben? :--)

Am nächsten Tag geht es dann weiter nach St. Petersburg - mit 5 Millionen Einwohnern zweitgrößte Stadt Russlands. Dementsprechend lange hat die Fahrt ins Zentrum gedauert. Während der Fahrt bauen sich vor uns die imposanten Gebäude links und rechts des Flusses Newa auf und wir sind schon von Beginn an von der Stadt fasziniert. Unser Hostel liegt auf der Vorzeige-Straße „Newski Prospekt“, auf der sich Boutiquen aneinanderreihen und teure Autos auf und ab fahren. Auch die gigantische Eremitage, eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt mit dem Winterpalast, liegt um die Ecke.
Will man das andere Russland sehen, muss man sich nur ein paar Straßenblocks von der Glitzermeile entfernen, hier beginnen die dreckigen Hinterhöfe und muffigen Treppenhäuser. Hier gesellen sich auch viele Betrunkene mit Bier und Wodka Flaschen.

Nach über vier Tage wechseln wir dann zum ersten Mal das Transportmittel und steigen in den Nachtzug nach Moskau. Ursprünglich war geplant diese Strecke auch mit dem Rad zurückzulegen, aber ein Kollege aus der Ukraine hat uns aus Risikogesichtspunkten davon abgeraten. Also machen wir zum ersten Mal Erfahrung mit den russischen Zügen. Klingt im ersten Moment nach Erholung, aber ist in Wahrheit fast anstrengender als Radfahren. Schließlich haben wir die verpackten Fahrräder auf der einen Schulter und die Radtaschen auf der anderen. Macht schlappe 50 Kg für jeden, da sind schon 300 Meter ausreichend, das der Schweiß in Rinnsalen runter läuft. Im Zug angekommen fühlt man sich dann gleich wie in einer russischen Banja (Sauna).Für weitere Aktivitäten sind wir danach zu müde, also geht es schnell ins 1,80 Meter große Bett, was für jemanden der 1,89 groß ist, zwangsläufig zu verkrampften Beinen führt. Die sieben Stunden sind aber schnell vorbei und wir in der russischen Hauptstadt Moskau. Hier heißt es erst einmal ein paar Stunden auf dem Bahnhof verbringen, weil wir um 5 Uhr noch nicht ins Hostel gehen können.

Moskau hat für uns nicht so viel zu bieten wie St. Petersburg. Hier reichen uns zwei Tage um einen Eindruck über die Atmosphäre und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten – den Roter Platz, den Kreml und das altehrwürdige Kaufhaus GUM – zu bekommen. Wir nutzen hier auch die Zeit, um uns auf die bevorstehende Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn vorzubereiten. Sämtliche Hygienemittel werden eingepackt, schließlich soll es darum nicht so gut bestellt sein in der dritten Klasse im Zug. Im Gedanken, dass unser Zug erst am Abend startet, gehen wir den Tag langsam an. Das endet in dem Moment, an dem wir nochmal genau auf das Zugticket schauen und feststellen, dass wir nur noch zwei Stunden bis zur Abfahrt haben. Trotzdem führt der Blick auf die kleine Pappkarte zu einem großen Strahlen, denn da steht, dass wir in der zweiten Klasse fahren. Augenblicklich freuen wir uns auf ein geräumiges Abteil mit großen Betten. Dass das eher Wunschdenken als Realität ist, können wir schon zwei Stunden später feststellen, aber darüber berichten wir im nächsten Eintrag:--)…..

Viele Grüße

Patrick und Matthias

Kommentare   

 
0 #5 Patrick.S 2012-09-08 01:12
@ Familie Grimm
Danke für eure Grüße. Wir geben unser bestes wohlbehalten wieder zukommen. (-: Aber es ist ja noch etwas zeit und Eurasien ist groß. LG Patrick

@ Raik
Leider kann ich deinem Wunsch nicht erfüllen ... aber wir habe viele Bilder gemacht. (-: Lg Patrick
Zitieren
 
 
+2 #4 Raik Schillow 2012-09-03 16:45
Hallo Bruder-Herz, kannst Du auch ein kleines Video von der TransSib machen ...? :-)
Zitieren
 
 
+3 #3 U.Schmerl 2012-09-02 18:04
Mit großen Erwartungen bin ich stets auf eure Reiseberichte gespannt.
Freue mich auch sehr,wie ihr alles meistert,trotz der vielen Strapazen.
Wünsche euch weiterhin eine glückliche Fahrt und viele positive Erlebnisse.
Tschüss
Zitieren
 
 
+1 #2 heidrun grimm 2012-09-01 20:03
Hallo lieber Patrick,
viele liebe Grüsse aus Kunersdorf senden Dir Deine ehemaligen Nachbarn Heidrun und Manfred.
Ihr beide habt ja schon sehr viel erlebt.
Kommt wieder wohlbehalten nach Hause.
Und Tschüss.
Zitieren
 
 
+4 #1 Brigitte 2012-08-30 12:16
Na da bin ich mal gespannt auf den Bericht über die Zugfahrt.
Und wir wissen bescheid, dass beim nächsten Mal ein Care-Paket mit Bananen für Euch die Erfüllung ist... :lol:

Gruß Brigitte
Zitieren