Patrick – Kissenschlacht, Fußball, und Heimweh … eine reiche Palette!

Puenta La Reina/Gares

325. Reisetag

12.818 Kilometer Rad

Die erste Nacht hatte ich für „lau“ auf einem Zeltplatz verbracht. Das Tor war offen, in den Duschen gab es warmes Wasser und überall war Licht. Aber auf dem ganzen Zeltplatz konnte ich niemanden finden. Am nächsten Morgen erfuhr ich dann von der Polizei, dass der Zeltplatz geschlossen sei… Oh Oh … und dass die Absperrung, die für Wohnmobile in 2,30 m angebracht wurde, auch für mich gilt! Okay, da muss ich wohl noch etwas wachsen. ;-) Mit Freude, dass ich Geld gespart und die Polizei mich nicht eingesperrt hatte, ging es weiter nach Barcelona.

 

 

Barcelona = 8 Tage

Am Nachmittag meiner Ankunft in Barcelona erkundete ich gleich die Gegend, lief die Einkaufsstraße La Rambla rauf und runter … aber nur zum Schauen! Die Altstadt lag auch auf meinem Plan. Wieder mal vom Sightseeing erschöpft, ließ ich mich auf dem Placa de Catalunya nieder und beobachte bei herrlichem Wetter die Leute. Auf einmal fiel mir ein Junge auf, der sein Kopfkissen spazieren trug … das war lustig … bis ich weitere Leute mit Kopfkissen sah – mitten in Barcelona am helllichten Tage. Es dauerte keine 10 min bis ich mindestens 25 Leute mit ihren Kopfkissen rumlaufen sah. Hier stimmte doch was nicht? Eine laute Tröte schrillte (so eine wie wir uns in Vietnam mit Matthias gewünscht hätten, um den Autos und LKWs Paroli zu bieten) und in Windeseile wurde der ganze Platz von Leuten gestürmt, die sich mit ihren Kissen eine wilde Schlacht lieferten. Die ca. 250 Teilnehmer hatten alle sichtlich ihren Spaß und die Zuschauer natürlich auch … als die Federn und Kissen flogen. Flashmob Kissenschlacht in Barcelona … sehr lustig. (-:

Im Hostel lernte ich Sebastian kennen, mit dem ich in den nächsten Tagen fast ganz Barcelona inklusive Berge ringsum und das Physik- und Naturwissenschaftliche Museum CosmoCaixa erkundete. Sebastian wollte auch zu dem Champions League Spiel FC Barcelona gegen Paris SG gehen. Wir erkundigten uns nach Karten. Und siehe da, es gab noch welche … also mal schnell in 5 Sekunden entschieden … als „nicht Fußballfan“ die Reisekasse zu sprengen und sich in Europas größtem Fußball-Stadion, Camp Nou, ein Spiel anzuschauen … wer, wenn nicht ich ?!?!

Camp Nou … bevor ich in Barcelona war, konnte ich damit nichts anfangen. Für jeden Fußballfan wäre es ein grandioses Erlebnis den FC Barcelona Zuhause im eigenem Stadion Camp Nou bei einem Champions League Spiel zuschauen zu dürfen, aber ich habe doch keine Ahnung wie das mit dem Abseits ist??? ;-) Das Stadion ist mit 96.000 Zuschauern ausverkauft. Spanien, Fußball, Temperament und Leidenschaft, das kann ja nur ein Fest werden!!! Vom Fußball habe ich wie gesagt, keine Ahnung, aber was denkt ihr was da für eine Stimmung in dem Stadion mit 96.000 Fans war … keine!!! Die Barca-Fans saßen alle wie Zuhause im Wohnzimmer und schauten Fußball ohne Gesang und dem ganzen Spaß den man aus Deutschland kennt. ;-) Wen die ca. 6.000 angereisten Franzosen nicht etwas gesungen und gefeiert hätten, wäre ich eingeschlafen … nicht zuletzt weil auch die Spieler auf dem Spielfeld die Ruhe weg hatten. Ganz ehrlich … da war mehr Stimmung und Fan-Gesang auf dem Vatikan bei der Papstwahl als im Camp Nou in Barcelona. Aber was soll’s! In 90 min Messi, Backham und Co. mit 96.000 anderen Fans gesehen zu haben - auch wenn sie nichts gezeigt haben und es beim 1:1 blieb - ist auch nicht schlecht!!! Aber das Beste war die Halbzeitpause! Mit dem Pausenpfiff ging auf den Rängen ein Geraschel und Gewühl los. Ihr kennt das vielleicht von Fußballspielen in Deutschland: Plastebecher, Taschenkontrolle, kein Essen usw. In Camp Nou wurden erst einmal der Döner und die Türkenpizza ausgepackt, die Barcelona-Fan-Stullenbüchse und die Kanne mit Kaffee vorgekramt und in aller Ruhe Abendbrot gegessen und das mit 96.000 Gleichgesinnten im Stadion. Unfassbar war das. So etwas hatte ich im Energiestadion in Cottbus nie erlebt, war aber auch nur ein oder zweimal mit meiner Mutter dort! Das Camp Nou wird mir mit seinen Fans, mit der Wohnzimmer-Atmosphäre und der Essenspause in Erinnerung bleiben … und das ohne Polizei-Aufgebot, denn so ruhig wie es da war, brauchen sie keine „Policia“… Ich hatte nur zwei Polizisten entdeckt und die hatten nach dem Spiel den Verkehr geregelt. ((-:

Wie der Zufall es wollte, kamen Lysann und Philipp (Freunde aus Cottbus) übers Wochenende nach Barcelona. Spontan verlängerte ich meinen Aufenthalt, um mich mit ihnen zu treffen. Wir erkundeten die Gegend und aßen am Abend bei lauem Wetter Tapas, redeten über Gott und die Welt und vor allem über meine Reisezeit, denn die zwei wollen nächstes Jahr selber zu einer Welt-Reise aufbrechen. Mit einigen Bierchen ging der unterhaltsame Abend zu Ende … und hatte bei mir leider auch etwas Heimweh hervorgerufen!!! Am Morgen navigierte ich die beiden noch durch die Stadt zum Park Güell. Sie hatten sich Fahrräder ausgeliehen um Barcelona zu erkunden und für mich hieß es aber Abschied nehmen und weiter nach Valencia… das war nicht leicht!

 

Valencia = 3 Tage

Vier Tage brauchte ich entlang der Mittelmeerküste bis Valencia. Das Spanienwetter hielt sich gut. Auf dem Weg in die Kulturhauptstadt Spaniens nächtigte ich in einer verlassenen Hotelruine mit Meerblick … superschön und gratis!!! In Valencia bezog ich wieder ein Hostel, welches aber keinen Platz für mein Fahrrad hatte … geht ja gar nicht!!! Für mich!!! Also machte ich ihnen klar, dass ich das Rad nicht draußen lassen kann … Daraufhin organisierten sie für mein Rad einen eigenen Schlafplatz. Wir schlafen zwar nicht zusammen, aber gut und sicher! (-; Die Zeit in Valencia ließ ich langsam angehen, weil ich mich etwas erkältet hatte. Ich schaute mir die Stadt, in der es an jeder Ecke Kunst und Paella gab an und mir fielen die vielen großen Pfannen auf… Paella ist ein spanisches Reisgericht aus der Pfanne und das Nationalgericht der Region Valencia und der spanischen Ostküste. Und jetzt weiß ich auch woher mir die großen Pfannen bekannt vorkamen: „Während in Villariba noch geputzt wird, wird in Villabajo schon gefeiert...“ Eine Werbung aus den 90er Jahren von einem großen Spülmittelhersteller. Wer kannte diese Werbung nicht! Die Paella Valenciana besteht aus Reis, der mit Safran leuchtend gelb gefärbt wird. Hauptsächlich wird Huhn, Schweinerippe und Kaninchen dazu verwendet und das Fleisch stets mit Knochen in mundgerechte Stücke gehackt. Sehr lecker das Ganze … Mit vollem Magen verließ ich Valencia und machte mich auf in Spaniens Hauptstadt … Madrid.

Doch nach 50 Klometern war für mich Schluss … die Erkältung, die ich in Valencia versucht hatte auszukurieren, hatte mich voll und ganz im Griff. Schweißausbrüche, Kopfweh, Husten und Heiserkeit, Kraft- und Saftlosigkeit quälten mich … und mit halber Power war nicht gut Radfahren!!! Also steuerte ich den nächsten Bahnhof an und nahm den Zug Richtung Madrid. Die Zugfahrt war mit 25 € für 350 Kilometer (Fahrrad & Ich) ein echtes Schnäppchen. Die Zugfahrt war o.k., die Schaffner sehr nett und hilfsbereit und im Gegensatz zur DB … sehr pünktlich … zumindest meine Bahn. ((-;

 

Spaniens Hauptstadt Madrid = 6 Tage

In Madrid ging es gleich ins Hostel und ab ins Bett. Ausschlafen hieß die Devise! Später recherchierte ich im Internet, wie ich die Erkältung am besten loswerden könnte und siehe da, ich wurde fündig! Es gibt ein natürliches Antibiotikum! Zum Leidwesen aller anderen in meinem 12-Bett-Dorm hatte ich mich für eine Knoblauch-Kur entschieden … ganze drei Tage, bis ich es selber nicht mehr aushielt. ((-: Ab dem vierten Tag ging es mir schon etwas besser und ich versuchte es mit einem Stadtbummel. Das weltberühmte Prado-Museum war das Ziel. Die etwa 3.000 Gemälde begründen den Rang des Prado als eines der bedeutendsten Museen der Welt. Neben der weltweit besten Sammlung spanischer Maler werden unter anderem auch holländische Meister und einige Werke von Botticelli, Caravaggio, Albrecht Dürer und Rembrandt gezeigt und das auf drei Stockwerken. Nach dem zweiten Stock gab ich auf. Das war dann doch etwas zu viel „KULTUR“ für mich. Am nächsten Tag schaute ich mir noch das Thyssen-Museum an, denn zu bestimmten Zeiten an bestimmten Tagen ist der Eintritt in vielen Madrider Museen frei. Ich war ganze sechs Tage in Madrid und schonte mich und meinen geschundenen Körper so gut ich konnte. Oft war ich im Park Retiro, saß in einem Café und las. Dabei lauschte ich auch den Klängen eines Saxofonspielers, der jeden Tag spielte. Die Saxofonklänge gefielen mir sehr gut und ich konnte dabei entspannen und gesund werden. In dem Park gab es ein Gebäude, das mich beeindruckte. Es war der Palazo de Cristal, der dem Londoner Crystal Palace nachempfunden war. Dieser Glaspavillon wurde 1887 von Ricardo Velázquez Bosco entworfen. Das Gebäude gefiel mir sehr und es verblüffte mich selbst, dass es doch noch Sehenswürdigkeiten gab, die mich zum Staunen brachten, denn ich habe so viel in der Welt gesehen und erlebt, dass das nicht mehr so leicht ist. (-:

Gesund und auskuriert ging es weiter in Richtung Lissabon/Portugal … unterwegs gab es nichts als hüglige und bergige Landschaft, Felder und Weiden. Ab und zu sah ich einen Stier oder eine Kuh – sonst nichts. Es war ermüdend und schwer sich aufzuraffen, vier Tage im Niemandsland herumzufahren und dann noch dem Wind meistens von vorn zu trotzen. Zur Motivation gehörte auch, dass ich ab Lissabon immer Richtung Heimat fahren würde … also nach Hause … das gab mir Kraft und Mut… und was ich in Portugal so erlebe, das beim nächsten Mal …

 

 Liebe Grüße Patrick (-:

 

 

Kommentare   

 
+2 #6 Patrick.Schillow 2013-05-27 12:12
@ ALLE: Danke für eure netten grüße!!! :lol:
@ Eike: Ich freue mich auch schon wieder auf den Kaffe in der Schule … und du wirst sehen „Ein Jahr ist schnell vor rüber, wenn der Regen fällt …“ und du wirst sehen wie schnell deine Lena wieder da ist 8)
@ ALLE: Liebe Grüße aus Saint Astier :lol:
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+3 #5 Mama Rita und Lutz 2013-05-25 15:32
Hallo Kleener,
wunderschöne Fotos ... das lädt zum Anschauen vor Ort ein (aber wir werden sicher nicht mit dem Rad dort hinfahren) ;-) Auf zum Endspurt! Bitte denke daran, Vorfreude ist die schönste Freude, denn es gibt einige Leute, die sich zu Hause auf dich freuen ... bis die Tage ... liebe Grüße aus der Heimat! :-)
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+5 #4 eike anne 2013-05-24 04:44
Lieber Patrick,
Deine Reise verfolge ich von Anfang an und stets erfreuen mich Deine lebhaft und sehr anschaulich geschriebenen Reiseberichte sowie die tollen Fotos! Dein Bericht über die Kunst und Architektur in Spanien lässt das Herz der Kunstlehrerin höher schlagen! Dieser Glaspalast ist ja der Hammer!!!! Ich habe großen Respekt vor Deinem Durchhaltevermö gen, freue mich aber auch schon wieder darauf, dich im Büro von Mama sitzen zu sehen und mir zuzuwinken!!!!! ! Unsere große Tochter Lena erntet derzeit in Neuseeland Golden Kiwis und ist auch ganz glücklich dort. Für uns als Eltern ist es nicht ganz so einfach ;)))).
(Du weißt was ich meine!)
Für heute ganz liebe Grüße an Dich, weiterhin GUTE FAHRT und RÜCKENWIND!!!

Alles Liebe!

eike
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+1 #3 Patrick.Schillow 2013-05-23 14:30
Die Cola war in einem der West-Pakete … von FedEx :lol:
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+5 #2 BrudeRaik 2013-05-22 08:02
Hallo Forrest,

also die Mimik und Gestik ist wirklich verblüffend echt, verdammt nah an Tom Hanks dran, zu verwechseln ähnlich - ein dickes Kompliment für das Foto. Aber gestatte mir die Frage, ob die Coke mit auf der Insel war ... :-) ?

Anonsten lese und sehe ich, dass Du nah bei den Menschen, den Städten und dem Land bist. Das finde ich sehr schön und entspricht auch meinem Reisestil.

Weiterhin gute Fahrt, schöne Eindrück, gegen die Erkältung gute Besserung und natürlich minimales Heimweh sondern, wenn schon, denn schon Vorfreude ...

Bis die Tage - Raik
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+3 #1 Katrin 2013-05-22 03:14
also den Text hab ich noch nicht gelesen :-P
aber auf den Bildern hab ich diesmal den WILDEN URMENSCHEN erkannt. bin gespannt wie lange du es diesmal mit dem langen Bart aushälst 8)
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