Vietnam

Informationen bei Wikipedia

Informationen beim Auswärtigen Amt

 

Fläche: 331.698 Quadratkilometer

Einwohner: 91.519.289= 280 Einwohner je Quadratkilometer

Hauptstadt: Hanoi

Datum Start Ziel Strecke Fahrzeit Durchschn. Geschw. Höhenmeter Bergauf Max Steigung Übernachtung
04.10.2012 Hekou Tagestripp 32,75 02:34 12,74 577 10% Zug
05.10.2012 Hanoi (Vietnam)           Hotel
06.10.2012 Hanoi             Hostel
07.10.2012 Hanoi             Hostel
08.10.2012 Hanoi             Couchsurfer
09.10.2012 Hanoi             Couchsurfer
10.10.2012 Hanoi             Hostel
11.10.2012 Hanoi             Hostel
12.10.2012 Hanoi             Hostel
13.10.2012 Hanoi Halong Bay           Boot
14.10.2012 Halong Bay             Boot
15.10.2012 Zwischenurlaub:) - separat            
16.10.2012 Zwischenurlaub:) - separat            
17.10.2012 Zwischenurlaub:) - separat            
18.10.2012 Zwischenurlaub:) - separat            
19.10.2012 Zwischenurlaub:) - separat            
20.10.2012 Zwischenurlaub:) - separat            
21.10.2012 Zwischenurlaub:) - separat            
22.10.2012 Zwischenurlaub:) - separat            
23.10.2012 Zwischenurlaub:) - separat            
24.10.2012 Zwischenurlaub:) - separat            
25.10.2012 Zwischenurlaub:) - separat            
26.10.2012 Zwischenurlaub:) - separat            
27.10.2012 Zwischenurlaub:) - separat            
28.10.2012 Zwischenurlaub:) - separat            
29.10.2012 Zwischenurlaub:) - separat            
30.10.2012 Hanoi Phu Ly 83,72 05:06 16,37 54 5% Hotel
31.10.2012 Phu Ly Ninh Binh 49,84 03:38 13,7 23 3% Hotel
01.11.2012 Ninh Binh Ruhetag           Hotel
02.11.2012 Ninh Binh Tanh Hoa 60,4 03:40 16,45 125 4% Hotel
03.11.2012 Tanh Hoa  Dai Dong 86,74 04:57 17,5 36 2% Hotel
04.11.2012  Dai Dong Vinh 59,18 03:13 18,35 22 2% Hotel
05.11.2012 Vinh Ruhetag           Hotel
06.11.2012 Vinh Ha Tinh 47,87 02:30 19,08 39 2% Hotel
07.11.2012 Ha Tinh Vinh Hai 89,72 05:08 17,43 292 7% Hotel
08.11.2012 Vinh Hai Hai Lang 87,48 05:39 15,45 121 6% Hotel
09.11.2012 Hai Lang Hue 129,66 07:16 17,82 186 6% Hotel
10.11.2012 Hue Ruhetag           Hotel
11.11.2012 Hue Ruhetag           Hotel
12.11.2012 Hue Hoi An 108,70 06:27 16,84 214 8% Hotel
13.11.2012 Hoi An Ruhetag           Hotel
14.11.2012 Hoi An Quang Ngai 109,88 06:02 18,21 69 2% Hotel
15.11.2012 Quang Ngai Giao Hoi 85,0 04:42 18,08 145 5% Hotel
16.11.2012 Giao Hoi Quy Nhon 87,44 04:55 17,78 231 8% Hotel
17.11.2012 Quy Nhon Tuy Hoa 95,25 05:05 18,69 536 8% Hotel
18.11.2012 Tuy Hoa Van Gia 80,19 04:18 18,59 288 8% Hotel
19.11.2012 Van Gia Nha Trang 47,48 02:22 20,03 124 6% Hotel
20.11.2012 Nha Trang Cam Ranh 54,33 03:02 17,83 187 6% Hotel
21.11.2012 Cam Ranh Lien Huong 108,32 05:13 20,74 237 5% Hotel
22.11.2012 Lien Huong Mui Ne 62,8 03:50 16,36 278 8% Hotel
23.11.2012 Mui Ne Ruhetag           Hotel
24.11.2012 Mui Ne Gia Ray 98,3 04:51 20,25 434 8% Hotel
25.11.2012 Gia Ray Ho Chi Minh 100,15 05:08 19,47 464 5% Hotel
26.11.2012 Ho Chi Minh Ruhetag           Hotel
27.11.2012 Ho Chi Minh (Schokoladenfabrik) 39,99 02:20 17,03 106 4% Hotel
28.11.2012 Ho Chi Minh Ruhetag           Hotel
29.11.2012 Ho Chi Minh Ruhetag           Hotel
30.11.2012 Ho Chi Minh Phnom Penh
(Kambodscha)
Busfahrt         Hotel

Pannen:

  •           Vorsorglich haben wir einen Schlauch ausgetauscht (Patrick) und beide Ketten erneuert
  •           Ein Kettenriss (Matthias)

Wetter: Das Thermometer steigt immer über 25 Grad und pegelt sich meist bei 35-40 Grad ein. Maximum während der Mittagshitze war 49 Grad (auf dem Radtacho)

Unterkünfte: In Hanoi haben wir zwei Nächte bei einem „Couchsurfer“ verbracht. Ansonsten durchweg in Hotels/Pensionen. Zum Zelten fehlt die Fläche und Übernachtungen müssen polizeilich registriert werden.

Verpflegung: Selber gekocht haben wir schon lange nicht mehr. Stattdessen besuchen wir täglich Garküchen am Straßenrand. Hier gibt es meist Rind- und Schweinefleisch und Hühnchen mit Gemüse und Reis. In größeren Städten mit Touristenlokalen gehen wir auch mal „fremd“ und gönnen uns eine Pizza oder Burger mit Pommes.

Beim Radfahren haben wir unsere 10-Km-Pausen mit Eistee und Cola versüßt. Zum Mittag gab es meist Suppe mit Nudeln und Fleisch. Sehr gut gefallen hat uns die Dichte der Läden, praktisch alle paar hundert Meter findet sich ein Geschäft, das Wasser und Kekse verkauft.

Allg. Eindruck: Wir wurden vorher von vielen Reisenden mit negativen Erfahrungen vor Vietnam „gewarnt“. Selber haben wir nicht solche drastischen Erfahrungen gemacht. Auf der Straße haben uns sehr viele Leute mit „Hello“ gegrüßt und zugewinkt. In den zwei Monaten wurden wir dreimal zum Trinken eingeladen, bei dem Trinkverhalten ist das nach einer Weile aber anstrengend ;--)
Zwar wurden wir teilweise etwas übers Ohr gehauen, wenn es um die Preise ging, aber es hat sich meist im Rahmen gehalten.

Manches schien uns zunächst fremd und komisch. So verbrennen einige Vietnamesen auf der Straße falsche Geldnoten oder Zettel. Später haben wir erfahren, dass dies eine Gabe für die Vorfahren darstellt. Auf den ersten Blick sieht es auch so auf, als ob jeder Vietnamese Vögel hält. Viele werden in ihren Käfigen an die Geschäfte gehängt. Diese sollen Glück bringen und sind daher ein beliebtes Haustier.

Die verschiedenen Erfahrungen führen dazu, dass wir uns keine pauschale Pro oder Kontra Meinung gebildet haben. Wir würden aber niemanden Abraten nach Vietnam zu kommen, vielmehr sollte sich jeder selber ein Bild machen.


Mit Hupkonzert ins Etappenziel

Phnom Penh (Kambodscha)

155. Reisetag

4.624 Kilometer

(Zug: ca. 13.500 KM)

Wir baumeln selig in der Hängematte, schlürfen kalten Eistee und genießen den Blick auf Palmenhaine. Nach zwei Stunden radeln bei 45 Grad, weht uns eine frische Meeresbrise entgegen und wir sehen Touristen in Badesachen zum Strand pilgern …. Nein jetzt nicht zwicken, das ist keine Traumphantasie! Die aufmerksamen Leser werden sich vielleicht denken, wir haben nach den ersten doch recht öden Rad-Tagen in Nordvietnam die Sachen gepackt und sind auf die Malediven geflüchtet.

Auch wenn wir es zwischendurch überlegt haben, wir sind immer noch in Vietnam, aber nachdem wir Hoi An in Richtung Süden verlassen haben, erleben wir erfreulicherweise einen kontrastreichen Wechsel der Radstrecke. Nicht nur die Landschaft wird abwechslungsreicher, auch die geringere Dichte der Ortschaften nehmen wir positiv wahr. Die Atmosphäre ist entspannter und stimmt uns auf die bevorstehenden Küstenorte Nha Trang und Mui Ne ein. Hier gönnen wir uns jeweils einen Ruhetag, der mit Ausschlafen und Strandbesuchen sinnvoll gefüllt wird :--)

Die Strecke bleibt ansonsten recht flach und der Wind weht meist erfreulicherweise von hinten. Ein längerer Anstieg steht uns noch bevor. Nach anhaltenden Regenschauern quälen wir uns durchgenässt die Serpentinen hoch. Auch die Versuche sich an den vorbeifahrenden LKW festzuhalten, erleichtern den Anstieg nicht, sondern führen eher zu Raucherlungen. Oben angekommen verfallen wir in Euphorie, nicht nur weil es gleich bergab geht, sondern weil wir einen Wetterwechsel hin zu strahlenden Sonnenschein feiern. Unseren ekstatischen Freudenausrufen zum Trotz, schickt Petrus fünf Minuten später wieder Dauerregen. Bis auf die Knochen nass halten wir am nächsten Imbiss an. Wir beten wieder unsere Wunschgerichte auf verschiedenen Tonhöhen runter, als die Frau ihren Vater ruft, der sich zu uns gesellt. Wir tragen nochmal unsere Bestellung vor, woraufhin er trocken sagt: „Was wollt ihr haben, Rindfleisch?“ :--)       
Insgesamt haben wir dreimal die Erfahrung gemacht, dass Vietnamesen, die eine Zeit lang in der früheren DDR waren, uns mit ihren Deutschkenntnissen überrascht haben.

 

Eine willkommene Abwechslung der anderen Art erleben wir bei einer unserer neu etablierten 10-Km-Pausen, die nebenbei gesagt unserer Motivation erstaunlich gut tun. Wir stehen also am Straßenrand und zählen wieder 10 Km von unserem Tagessoll ab, als wir durch Rufe aus unseren Tagträumen gerissen werden. Zuerst sind wir etwas perplex, schließlich sieht man sowas nicht alle Tage – zwei Radreisende in Vietnam! Wir sind also nicht die einzigen Verrückten die hier rumradeln, Katja und Mathias aus Stuttgart haben die gleiche Idee, nur in der anderen Richtung und insgesamt schon ein knappes Rad-Jahr auf dem Buckel. Von dem wiedermal einbrechenden Regen lassen wir uns nicht stören und tauschen die wichtigsten Radtour-Details aus: Strecke, Dauer, Tagesschnitt, Gewicht und Budget sind hier die interessanten Größen:--) Schnell steht fest, dass wir viel zu erzählen haben, also wird unser Tagessoll kurzerhand gekürzt und wir fahren das nächste Hotel an. Der Abend ist kurzweilig und unsere Vorfreude auf die bevorstehenden Etappen steigt durch die Geschichten weiter an.

Unsere gute Laune wird nur manchmal etwas getrübt, wenn wir zum Beispiel vom Hotelpersonal beklaut werden (Hue) oder unser Kleidung nach der Hotelwäsche dreckiger als vorher und noch dazu verfärbt zurückkommt. Hoffentlich halten wir mit dem jetzigen Restbestand noch bis Bangkok durch – da gibt’s wieder H&M :--)     
Doch vorher ist unser nächstes Ziel Ho-Chi-Minh (Saigon), neben der Hauptstadt Hanoi die zweite Metropole Vietnams. Leider haben Großstädte es an sich, verkehrsreich zu sein, was wir bereits 150 Km vor der Stadtgrenze zu spüren bekommen.

Hier müssen wir zum Verständnis mal kurz das Thema „Hupen“ in Vietnam einschieben. Hupen ist hier nicht wie bei uns daheim die ultima ratio bei einem nervenden Vorfahrer, bzw. Ausdruck der eigenen Aufregung. Die Hupe ist in Vietnam vielmehr DAS essentielle Teil am Fahrzeug, in der Wichtigkeit noch vor funktionierenden Bremsen und ganz weit vor der Lichtmaschine angesiedelt. Das Betätigen derselben ist Ausdruck des Lebensgefühls und muss mindestens einhundert Mal am Tag vorgenommen werden. Wahrscheinlich ist das sogar gesetzlich irgendwo festgelegt :--)
Soweit so gut, schließlich haben wir ja Kopfhörer im Ohr und Oropax tun es ja zur Not auch. Weit gefehlt, denn hier gibt es verschiedene Typen von Hupen. Neben den „Flüster-Hupen“, die bei uns an Kinderfahrrädern verbaut werden, gibt es die ausreichend hörbare Standard-Hupe á la KFZ in Deutschland und zu guter Letzt die gemeine „Tinitus-Hupe“ der LKW, die den HNO-Ärzten die Warteräume mit Patienten füllt. Wenn Ravensburg ihr Auto/Truck-Quartett (damit haben wir früher gezockt, welches Auto mehr PS und Hubraum hat) um die Dezibel der Hupe erweitern, würden vietnamesische Fabrikate ganz weit vorne liegen! Für ein kurzfristiges Glücksgefühl brauchen wir aber gar nicht so viel, wenn mal wieder ein Brummi-Fahrer als nett gemeinten Gruß neben uns auf die Hörner drückt, wünschen wir uns nur so eine Drucklufthupe aus dem Fußballstadion zum Zurückgrüßen; oder besser noch eine Vuvuzela, jaha :--)

Für unser breites Grinsen sorgen im Moment aber nicht unsere aufkeimenden Rachegelüste, sondern der Blick auf die Skyline von Ho-Chi-Minh. Also es sind vielleicht sechs Hochhäuser, aber egal, wir sind happy nach über 1.700 Km das letzte Etappenziel in Vietnam erreicht zu haben. Zum Ausruhen bleibt aber nur bedingt Zeit, wir haben ein straffes Programm. Neben Museumsbesuchen, wollen wir uns eine Schokoladenmanufaktur anschauen und den Kindergarten besichtigen, dessen Bau durch Eure Spenden mit finanziert wurde.

Wir wollen Vietnam nicht verlassen ohne uns genauer über die Ereignisse zu informieren, die das Land nachhaltig geprägt haben und besichtigen deshalb das Kriegsmuseum im Stadtzentrum. Hier werden neben einer Sammlung von Waffen, auch teilweise sehr drastische Kriegsfotos ausgestellt. Die Originalbilder veranschaulichen die Schrecken des Krieges sehr einprägsam, besonders die grauenhaften Folgen des eingesetzten Entlaubungsmittels Agent Orange, dessen Auswirkungen teilweise noch bei den heutigen Generationen durch Behinderungen zu spüren sind. Nach so einem Museumsbesuch geht man nicht unbedingt guter Laune weiter zur Tagesordnung über, dennoch ist es erforderlich sich immer wieder vor Augen zu halten welche Auswirkungen Kriege haben.

Obwohl uns die Eindrücke des Vietnamkrieges wahrlich auf den Magen geschlagen haben, fahren wir als Nächstes in die einzige Schokoladen-Manufaktur Vietnams. Wie wir dazu kommen? An der Stelle könnten wir eigentlich für die richtige Antwort eine Schokolade verschenken, aber die sind leider schon aufgegessen:--) Also die Superhirne unter Euch können sich bestimmt erinnern, am Baikalsee trafen wir zufällig auf ein nettes französisches Paar, dass uns eine Flasche Rotwein geschenkt und die Adresse ihres Sohnes, der hochwertige Schokolade in Saigon herstellt, mitgegeben hat. So eine Gelegenheit, unsere Energiespeicher aufzuladen und noch dazu interessante Einblicke in die Produktion des beliebten Genussmittels zu bekommen, lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Wir treffen Vincent in der Stadt und plaudern ein bisschen beim Mittagessen über unsere Tour und seine Geschäftsidee. Danach geht es in die kleine Manufaktur, wo wir die verschiedenen Produktionsschritte erklärt bekommen und schließlich auch die langersehnten Kostproben nehmen dürfen. Von der Wahl der Kakao Bohnen, über die Geschmackstests bis hin zum Einpacken wird viel Arbeit und Liebe in das Produkt gesteckt. Die hohe Qualität hat ihren Preis, in Deutschland werden die Tafeln für ca. 9,50 Euro verkauft. Gut, dass wir drei Exemplare für lau mitbekommen – Merci ;--)

Anschließend machen wir uns mit Glückshormonen gestärkt auf den Weg ins 130 Km entfernte Vinh Long. Hier wird der Kindergarten gebaut, den wir mit Euren Spenden unterstützen. Auf der Fahrt begleitet uns Tuyen, die als Mitarbeiterin der Dariu Organisation, für die Betreuung der Schul- und Kindergartenprojekte in der Region zuständig ist. Nach dreistündiger Busfahrt geht es noch mal 45 min aufs Moped bevor wir in der ländlichen Provinz ankommen. Fernab der Großstadt leben die meisten Familien von der Landwirtschaft, was ihnen zwar den Lebensunterhalt sichert, aber für die Bildung der Kinder kaum Spielraum lässt.
Wir besuchen zunächst eine Schule, die ebenfalls mit Spenden der Organisation finanziert wurde. Neben dem alten Gebäudetrakt, steht auf dem Schulhof ein Container, in dem 30 Schüler mit Laptops und TV unterrichtet werden. Nach einem kurzen Fußweg zeigt uns Tuyen den Kindergartenbau, der nahezu fertiggestellt ist. Die farbenfrohe und moderne Gestaltung macht einen positiven Eindruck auf uns. In den acht Räumen werden im nächsten Jahr bis zu 200 Kinder im Alter von ein bis fünf Jahren Platz finden und hoffentlich viel Spaß haben.

An dieser Stelle nochmal vielen Dank an die Spender, dank deren Hilfe die Projekte unterstützt werden und wir überhaupt solche positiven Eindrücke sammeln und vermitteln können!


Mit diesen schönen Eindrücken begeben wir uns wieder auf die lange Rückreise nach Ho-Chi-Minh. Noch einmal gibt es einen leckeren Frucht-Shake um die Ecke mit Mango, Kokosnuss und der Stinkfrucht Durian und eine Pizza zum Abendessen. Dann ist es auch schon soweit, wir müssen packen, denn es heißt Abschied nehmen von Vietnam. Nach fast zwei Monaten sind wir jetzt auch „reif“ für das Nachbarland Kambodscha. Wir hoffen hier auf neue Erfahrungen, Eindrücke und Erlebnisse (dreimal „E“ in einem Satz- eine richtige Alliteration:--).
Doch eines steht schon fest, mit Eurem Winterwetter werden wir nicht mithalten können. Mal sehen, ob bei uns trotzdem Weihnachtsstimmung aufkommt… In diesem Sinne wünschen wir allen einen schönen ersten Advent und eine besinnliche Vorweihnachtszeit- wir halten Euch auf dem Laufenden wie es uns in Kambodscha ergeht! ;--)

 

Viele Grüße

Patrick und Matthias

 

Rad fahren durch Vietnam – zwei Beine sind hier nicht genug

Hoi An (Vietnam)

136. Reisetag

3.616 Kilometer

(Zug: ca. 13.500 KM)

Endlose Serpentinen, nervig hupende Reisebusse und jetzt fängt es auch noch an zu regnen, unseren Start in Vietnam haben wir uns anders vorgestellt. Zur Aufmunterung geht’s rechts ran zum Mittagessen, doch zur Steigerung unserer Laune kann das uns vorgesetzte Mahl nicht beitragen. In einem Topf ist etwas schlammiges, auf dem Teller liegen Gedärme, dazwischen Chilisaucen und Reisschnaps in einer Plastikflasche. Hier passt das Sprichwort, „Der Hunger treibt‘s rein“ wie die Faust aufs Auge oder besser, wie der Topf auf den Deckel :--)

Nächste Station ist Hanoi, Vietnams Hauptstadt am Roten Fluss. Schon am ersten Tag haben wir den Eindruck, dass jeder der 6,5 Millionen Einwohner auf Mopeds unterwegs ist, denn meist sitzt nicht nur der Fahrer auf der Bank sondern gleich die ganze Familie mit Kindern. An Verkehrsregeln halten sich wenige, falls es überhaupt welche gibt. Zumindest nicht die uns bekannten, Vorfahrt hat der, der sie sich nimmt und Ampeln werden oft nur als bunte Straßenbeleuchtung angesehen. Faszinierend bei dem ganzen Gewusel ist, dass wir unbeschadet über die Straße gehen können, während die Mopeds um uns herum manövrieren. Wenn wir auf den Rädern unterwegs sind, schwimmen wir einfach im Strom der Blechlawine mit und sorgen dabei für allerlei interessierte Blicke. Für die Asiaten ist es generell unvorstellbar, was einem dazu antreibt mit dem Rad zu reisen, wo es doch motorisierte Gefährten gibt… Rad fährt hier nur, wer sich kein Moped leisten kann oder noch zu jung dafür ist. Einen Vorteil hat diese Einstellung, unsere Räder werden nicht als Wertgegenstände erachtet und fallen daher nicht ins Beuteschema von potentiellen Langfingern. Den richtigen Preis für die beiden Drahtesel kommunizieren wir auf Nachfrage auch erst, wenn wir uns verabschieden, dann ist die Überraschung immer groß:--)

In Hanoi nutzen wir zum ersten Mal die Möglichkeit per „Couchsurfing“ kostenlos bei einem Gastgeber zu übernachten. Auf einen Eintrag in der hiesigen Gruppe, meldet sich Long. Er ist von unserer Tour begeistert und lädt uns für zwei Tage in das Haus seiner Familie ein. Zusammen verbringen wir zwei unterhaltsame Abende mit Gitarre spielen (vorzugsweise Long) und in der Stadt mit 20-Cent-Bier trinken (der Toilettenbesuch beim anliegenden Grundstück kostet vergleichsweise teure 12 Cent – clevere Geschäftsidee :--)

 

Ein weiteres Highlight, auf das wir uns schon lange gefreut haben, ist der Besuch des nationalen Kinderkrankenhauses, das wir dank der zahlreichen Spenden bereits mit knapp 900 Euro bei der Anschaffung dringend benötigter Geräte unterstützen konnten. Dr. Dung, ihres Zeichens stellvertretende Leiterin der Neugeborenstation, nimmt sich eine Dreiviertelstunde Zeit, um uns ihre Abteilung mitsamt der von den Spenden erworbenen Gerätschaften zu präsentieren. Wir freuen uns sehr zu sehen, dass die Spenden sinnvoll eingesetzt werden. Bedarf ist dafür an vielen Stellen, so wird der dringend benötigte Anbau derzeit geplant, um dem großen Patientenandrang gerecht zu werden (aktuell 265 kleinen Patienten stehen nur 100 Krankenbetten zur Verfügung). Auch bei lebenswichtigen Operationen, die von den Familien nicht bezahlt werden können ist Dr. Dung und ihr Team auf Spenden angewiesen. Wir treffen auch eine junge Deutsche, die hier Freiwilligendienst ableistet und erfahren etwas vom Arbeitsalltag.    
Trotz der vielen Maßnahmen, ist der Unterschied zum westlichen Standard noch gravierend und wir schätzen unsere gesundheitliche Versorgung daheim noch mehr. Mit einem positiven Eindruck bedanken wir uns bei Dr. Dung und machen uns auf den Heimweg. In diesem Sinne, nochmal vielen Dank an die vielen fleißigen Spender, die das ganze erst ermöglicht haben! Das zweite Projekt – der Kindergartenbau in Südvietnam – können wir hoffentlich Ende November in Augenschein nehmen.

 

Damit ist unsere Stimmung nach dem schwierigen Start in Vietnam wieder gehoben. Noch besser geht es uns aber verständlicherweise als wir Besuch von Katrin und Maj bekommen, mit denen wir einen Urlaub im Urlaub einschieben :--) Zusammen geht’s zur Halong Bucht, die mit hunderten Kalksteinfelsen zum UNESCO Weltnaturerbe zählt. Dafür nehmen wir den beschwerlichen von Schlaglöchern gespickten Weg auf uns – für die 140 KM braucht der Bus daher ganze vier Stunden und wir fühlen uns durchgeschüttelt wie nach einem Rodeo-Ritt. Aber der Aufwand lohnt sich, im Anschluss betreten wir das Holzboot, auf dem wir die kommenden zwei Tage rumschippern werden. Zum Ausruhen bleibt jedoch kaum Zeit, die Tage sind mit Höhlenbesichtigungen, Paddel-Touren und einer Hügelbesteigung durchgeplant. Zwischendurch gibt es sehr schön angerichtete Mahlzeiten – Fisch, Meeresfrüchte, Fleisch und Gemüse werden mit netten Deko-Elementen aufgetischt. Die Abende sind dank interessanter Gespräche mit den anderen Passagieren, Tintenfischangeln und Karaoke auch sehr kurzweilig und so fällt es uns schwer nach zwei Nächten wieder ins hektische Hanoi zurückzufahren.        
Hier angekommen, verabschieden wir uns voneinander, Katrin und Patrick zieht es zuerst in den Norden zum Bergdorf Sapa, während Maj und Matthias weiter Richtung Süden in die alte Hauptstadt Hue fahren. Für die nächsten 2 bzw. 3 Wochen steht nochmal eine Mischung aus Erholung und Sightseeing an den ausgewiesenen Touristenplätzen auf dem Tagesplan. Auf diese Weise lernen wir Vietnam von zwei Seiten kennen, zuerst die typischen Touristenorte, später dann mit den Rädern auch die kleinen Ortschaften, die von Touristen in der Regel umfahren werden.     


Wie immer, wenn es schön ist, geht die Zeit zu schnell vorbei :--( Die Ruhezeit ist jetzt vorbei, es geht wieder aufs Rad! Oh Mann, alle Schmerzen, die wir schon bei der Fahrt durch Polen erfahren mussten, kommen wieder. Hinterteil, Rücken, Beine…. So, jetzt aufhören zu jammern, schließlich gibt es unterwegs einiges zu sehen, dass davon ablenkt. Wir sind immer wieder erstaunt, was man alles auf einem Motoroller transportieren kann. Sind es in Hanoi noch überwiegend Menschen, hängen auf dem Land auch mal lebende Schweine oder ganze Baumstämme auf der Sitzbank. Was für uns interessant, weil ungewohnt, ist für die Vietnamesen Alltag. Viel spannender sind da schon zwei Weiße, die auf vollgepackten Rädern auf Vietnams Hauptstraße durch das Land radeln. Jeden Tag rufen uns hunderte „Hello“ oder sonst was zu, besonders Kinder freuen sich uns zu sehen :--) Nach etlichen Armwinken reduzieren wir unsere Grüße auf Kopfnicken und Fingerheben, schließlich brauchen wir unsere gesamte Kraft zum Vorankommen :--) Trotz dieser vermeintlich gastfreundlichen Einstellung, machen wir die Erfahrung, dass die Vietnamesen oft ein Geschäft wittern und versuchen uns das Geld aus der Tasche zu ziehen. Mal ist das mehr offensichtlich, wenn drei Leute darüber diskutieren was sie für ein Abendessen berechnen sollen und eine zwei einfach mal in eine drei geändert wird, mal ist es subtiler und wir bekommen es wahrscheinlich nicht immer mit.           
Beim Thema Essen hält sich die Abwechslung in Grenzen, was aber nicht an unserer fehlenden Probierfreundlichkeit liegt, sondern am fehlenden Angebot. So landen regelmäßig Reis, Schweine- oder Rindfleisch und etwas spinatartiges auf unseren Tellern, zum Mittagessen gibt es Suppe mit Nudeln und Fleisch. Mit unseren Sprachkenntnissen scheitern wir leider bereits bei den einfachsten Wörtern. Suppe mit Rind heißt „Pho Bo“, einfach zu merken, aber aufgrund der vielen Tonhöhen die das Vietnamesische kennt, schaffen wir es nie (also wirklich nie) es so auszusprechen, dass uns jemand versteht. Hier kommen Hand und Fuß zu Hilfe und unsere Tabu-Erfahrungen – Zeichnen, Zeigen und Nachahmen (Huhn) – sind regelmäßig sehr hilfreich. Das hat regelmäßig zur Folge, dass wir in die Küchen gehen, um unsere Wunschspeisen zusammenzustellen. Was wir dabei
zu sehen bekommen, würde sicher den ein oder anderen dazu bringen Reißaus zunehmen oder schlimmer noch, gleichmal das Frühstück vor Ort zu lassen :--) Manchmal sind wir uns nicht sicher, ob wir in einer Küche oder einem Streichelzoo sind, neben uns laufen gackernd zwei Hühner um die Wette, hinten sielen sich drei grunzene Schweine auf dem Boden und auf der anderen Seite liegen zwei Hunde und Katzen. Mittendrin ist die Küchenzeile, die anscheinend das letzte Mal im vergangenen Jahrhundert mit Wasser und Reinigungsmittel in Kontakt gekommen ist. Aber wählerisch können wir hier nicht sein und bisher haben wir nach den Besuchen auch noch keine Magenprobleme bekommen :--) Also Guten Appetit!

 

Bei den Übernachtungen machen wir auch „interessante“ Erfahrungen. Zelten ist in Vietnam nicht möglich, zum einen gibt es fast keine Stellflächen die nicht als Feld bewirtschaftet werden und zum anderen besteht Registrierungspflicht, sodass wir auf Hotels angewiesen sind. Hier erleben wir von ausgefallenen Klimaanalagen, was dazu führt, dass alle Hotelgäste „fliehen“ (außer uns, schließlich ist es stockdunkel und kein anderes Hotel weit und breit), über klemmende Zimmertüren, die wir aufbrechen müssen, bis hin zu Dienstleistungen anderer Art, so einiges. Mit den „Dienstleistungen“ war das so, Matthias – zu der Zeit noch allein unterwegs – erblickt nach 70 Km glücklich ein Hotelschild. Bei der Frage nach einem Zimmer und dessen Begutachtung, werde ich von der jungen Dame rein gebeten und zu einer älteren Dame (offensichtlich die Mutter) geführt. Ich deute ihr mit Handgesten meine Absicht an, ein Zimmer zum schlafen zu nehmen. Sie ist gleich happy und deutet auf die Tochter und mich und macht dann die gleiche Geste. Ich lehne dankend ab, die Mutter streichelt daraufhin zum Abschied noch meinen Bauch… Etwas irritiert fahre ich weiter. Zum Glück habe ich mir am Vorabend ein anderes Hotel im Internet rausgesucht. Nach weiteren 10 Km erreiche ich die Holzbehausung am Meer. Hier das gleiche Spiel. Ich: schlafen hier, looki looki Zimmer!? Sie: Ja klar, mit mir! Ende gut, alles Gut nach weiteren 10 Km finde ich ein Hotel, das auch Zimmer ohne Extra Service anbietet :--)

Von diesen Zwischenfällen abgesehen, ist unser Radalltag recht unspektakulär, wir haben uns angewöhnt früh aufzustehen (gegen 6 Uhr), um der Hitze etwas aus dem Weg zu gehen. Schon klar, bei Euch Daheimgebliebenen werden wir hierfür kein Mitleid erwarten können, aber 30 Grad ab 10 Uhr, die im Laufe des Nachmittags auf 35-40 ansteigen und dabei 80-90 Prozent Luftfeuchtigkeit sind kein Zuckerschlecken, wenn man dabei sportlich aktiv ist. Da freuen wir uns manchmal sogar auf Regenschauer, die die Temperaturen auf ein erträgliches Niveau senken.           
Die Strecke ist ansonsten gut zu befahren, wir bleiben auf dem Highway 1, der von Nord- nach Südvietnam durchführt. In der Regel ist das Profil flach, Ausnahmen sind Gebirgspässe, so wie der Wolkenpass vor Danang. Nachdem wir zwei kleinere Hügel überfahren haben, steht der dritte, große bevor. Doch wir sind zum Glück gut vorbereitet und können etwas abkürzen, der extra für Mopeds eingerichtet Shuttle Service bringt uns durch den längsten Tunnel Süd-Ost-Asiens und erspart uns die 20 Kilometer über den Pass. So schaffen wir es, unser angepeiltes Tagesziel von 100 Km zu erreichen ohne fahruntauglich anzukommen.         
Ruhetage wollen wir nur in Orten einlegen, die über eine gewisse Touri-Infrarstruktur verfügen und damit eine größere Speisenauswahl anbieten, damit wir ab und zu den Standardessen entfliehen können. Deshalb machen wir in der alten Hauptstadt Hue mit der noch erhaltenen Zitadelle, sowie in Hoi An mit der wunderschön beleuchteten Altstadt Halt und ruhen unsere müden Knochen aus. Hier sind wir nur zwei unter vielen Touristen und haben mal Ruhe vor den neugierigen Blicken der Vietnamesen, was aufgrund der dichten Besiedlung normalerweise nicht der Fall ist. Es existieren kaum geschlossene Ortschaften, stattdessen verteilen sich die Häuser in der kompletten Landschaft am Highway 1. Diese Zersiedelung macht es uns kaum möglich ein ruhiges Fleckchen für eine Pause zu finden. Also heißt es schnell wieder, ab aufs Rad und weiter strampeln, schließlich haben wir ein Ziel vor Augen: Ho Chi Minh (ehemals Saigon), 1.800 Km südlich von Hanoi. Wir werden euch weiter berichten wie es uns dabei ergeht und was wir erleben:--)

Bis dahin beste Grüße an alle

Patrick und Matthias